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23.06.2011

Bericht: Bundeswehr fühlt sich von Amerikanern in Afghanistan „marginalisiert“

Berlin – Aus internen Berichten der Bundeswehr geht hervor, dass die deutschen Soldaten sich von den amerikanischen Alliierten „marginalisiert“ fühlen. Das berichtet die „Bild-Zeitung“ unter Berufung auf die so genannten Kontingentberichte, die als „Verschlusssache“ eingestuft sind und der Zeitung vorliegen. Die Zusammenarbeit mit den US-Truppen beim ISAF-Einsatz scheint nicht so reibungslos zu laufen, wie die Bundeswehr immer wieder betont.

So heißt es laut „Bild-Zeitung“ im Kontingentbericht für den Zeitraum Juli bis November 2010: Seit der US-General David Petraeus das Kommando in Afghanistan übernommen habe, habe „dieser in erheblichem Maße zusätzliche US-Soldaten“ in die ISAF-Führung „integriert. Damit wurden die ohnehin schon reduzierten Beiträge anderer Nationen nochmals marginalisiert.

Es ist festzustellen, dass mit dem neuen Kommandeur die amerikanische Dominanz in der Führung und Entscheidungsfindung weiter zugenommen hat.“ Die deutschen Offiziere raten: „Es sollte überprüft werden, ob Deutschland als drittgrößter Truppensteller“ im Hauptquartier in Kabul „tatsächlich ausreichend vertreten ist, um seine Interessen in diesem Hauptquartier einzubringen.“

Besonders gravierend, so geht es aus den Kontingentberichten hervor, sind die Mängel beim Schutz der Soldaten vor versteckten Sprengsätzen. Im Kontingentbericht für den Zeitraum November 2009 bis März 2010 heißt es: Die Kampfmittelräumtrupps waren „kaum in der Lage, ihren Auftrag aufgrund mangelnder Ausstattung durchzuführen.“ Dazu würden ihnen „Metallsuchgeräte neuester Art, Schutzanzüge, Kameraausstattung“ sowie Fernrohre fehlen.

Auch die Kommandeure im Einsatz, so geht es laut „Bild“ aus dem Bericht hervor, würden sich nicht ausreichend mit Schutzmaßnahmen gegen die Sprengsätze auskennen. „Die Bedeutung und Möglichkeiten“, sich zu schützen, seien „weitestgehend unbekannt oder falsch.“ Die gepanzerten Fahrzeuge der Bundeswehr verfügen zwar über elektronische Schutzmaßnahmen. So können zum Beispiel die Auslöser von Sprengsätzen gestört werden. Aber im Bericht 2009/10 heißt es dazu: „Der Wissensstand über die Nutzung“ dieser Schutzmaßnahmen „ist bei der Masse der deutschen Soldaten zu Beginn des Einsatzes unzureichend. Dies führt immer wieder zu falschem Verhalten oder gar Nichtbenutzung von Schutzsystemen, was die Gefährdung der eingesetzten Soldaten erhöht.“

Auch bei der Vorbereitung auf den Einsatz gab es zumindest in den Jahren 2009 bis 2010 schwere Mängel. So heißt es Im Bericht von Anfang 2010: „Der Ausbildungsstand der Soldaten an den Handwaffen und die Waffenbeherrschung beim Schuss entsprechen teilweise nicht den Anforderungen im Einsatzland. Die Soldaten beherrschen ihre Waffe meist nicht. Auffällig ist die schlechte Beherrschung der Granatpistole. Die Schießausbildung im Rahmen der vorbereitenden Ausbildung für den Auslandseinsatz sollte intensiviert werden.“

Und aus dem Bericht aus Juli 2010 geht laut „Bild-Zeitung“ hervor, dass Soldaten in das Einsatzland verlegt werden, die keine oder ungenügende Einweisungen oder Erfahrungen „als Fahrer von gepanzerten Fahrzeugen haben.“ Die Folge: „In dem schwierigen Gelände“ geschehen „sehr viele Unfälle mit erheblichen Sachschäden, für die der Fahrer unter Umständen in Regress genommen wird.“ In einer „Gefahrensituation“ könnten „durch falsches Reagieren Menschenleben zusätzlich gefährdet werden.“ Hier kommen die Verfasser des Kontingentberichts sogar zu dem Schluss: „Auftragserfüllung gefährdet.“

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