Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Panorama - newsburger.de

Kinderschänder Dutroux bleibt hinter Gittern

© über dapd

18.02.2013

Belgien Kinderschänder Dutroux bleibt hinter Gittern

„Keine Perspektive auf Resozialisierung.“

Amsterdam/Brüssel – Der Gerichtsbeschluss im Brüsseler Justizpalast am Montagmittag war ebenso deutlich wie erwartbar: Der Antrag des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux, mit einer Fußfessel vorzeitig aus der Haft zu kommen, wurde abgelehnt. Denn weder könne der 65-Jährige „einen Plan für seine Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorlegen“, noch habe er „eine Perspektive auf Resozialisierung“, lautete die richterliche Begründung.

Damit bestätigte das Gericht die Einschätzungen im Vorfeld, wonach die Chancen des meist gehassten Verbrechers des Landes unrealistisch sind, in absehbarer Zeit sein Gefängnis in Nivelles südlich der Haupstadt zu verlassen. „Unsere Erwartungen und Hoffnungen sind erfüllt“, sagte der Vater eines der Opfer, Jean Lambrecks, dem Sender RTBF. „Ich bin zufrieden.“

Ende April wird Dutroux, der bei der Urteilsverkündung nicht anwesend war, ein Drittel seiner Haftstrafe abgesessen haben. Nach belgischem Recht hätte er ab dann die theoretische Möglichkeit, den Rest seiner lebenslangen Haft mit einer elektronischen Fußfessel außerhalb des Gefängnisses zu verbringen. Aber nur theoretisch, weil sowohl Gefängnisleitung als auch Staatsanwaltschaft Dutroux noch immer für gefährlich halten.

„Rückfälliger in Leib und Seele“

Selbst Dutroux‘ Mutter meldete sich vor der Aussprache des Richters nach fast zehnjährigem Schweigen wieder in der Öffentlichkeit. In einem Interview mit der Tageszeitung „Le Soir“ sagte sie, sie wolle ihren Sohn nicht in Freiheit sehen. Er sei ein „Rückfälliger in Leib und Seele“, der über keinerlei Realitätssinn verfüge. „Ich bin mir sicher, dass er wieder beginnen würde.“

2004 war Dutroux wegen Mordes, Vergewaltigung und Kindesentführung zu lebenslanger Freiheitsstrafe sowie weiteren zehn Jahren unter staatlicher Aufsicht verurteilt worden. 1995 und 1996 hatte er unter Mithilfe seiner damaligen Ehefrau Michelle Martin und zweier Komplizen sechs Mädchen im Alter von acht bis 19 Jahren entführt. Zwei seiner Opfer ermordete er, zwei weitere ließ er in einem Kellerverlies verhungern.

Der „Fall Dutroux“ hielt das Land nicht nur jahrelang in Atem, er hinterließ wegen zahlreicher Ermittlungspannen auch ein bis heute anhaltendes Misstrauen in den belgischen Staat.

Als Dutroux‘ Exfrau Martin, eigentlich zu 30 Jahren Haft verurteilt, im Sommer 2012 unter einer Reihe von Bedingungen vorzeitig freigelassen wurde, führte dies zu wochenlangen empörten Protesten. Martin ist jetzt in einem Nonnenkloster nahe der wallonischen Stadt Namur untergebracht. Auch vor Dutroux‘ Anhörungssitzung vor zwei Wochen hatte es an verschiedenen Orten Demonstrationen gegeben.

Niemand will ihn aufnehmen

Unvorstellbar für die Opfer wäre eine Freilassung Dutroux‘ auch gewesen, weil er schon 1989 wegen Vergewaltigung von fünf Mädchen zu 13 Jahren Haft verurteilt worden war. Nach drei Jahren wurde er jedoch wegen guter Führung und Aussichten auf Reintegration entlassen.

Nach eigenen Angaben wollte Dutroux bei einer Freilassung Mechaniker oder Klempner werden. Die Gefängnisleitung bezeichnete diesen Plan als unrealistisch, da ihm die erforderlichen Zeugnisse fehlten. Auch hätten zwei Personen, die Dutroux im Gefängnis besuchten, ihr früheres Angebot zurückgezogen, ihn bei sich aufzunehmen. Dadurch hätte er keinen festen Aufenthaltsort gehabt. Auch dadurch, so steht es im Gutachten, sei ein Absitzen der Reststrafe mit Fußfessel unmöglich.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© 2013 AP. All rights reserved, dapd / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/belgien-belgischer-kinderschaender-dutroux-bleibt-hinter-gittern-60577.html

Weitere Nachrichten

Erdbeben

© Nature / gemeinfrei

Italien Leichtes Erdbeben südöstlich der Stadt Perugia

In Italien hat sich am Mittwoch, gegen 19:10 Uhr etwa 40 Kilometer südöstlich der Stadt Perugia, ein leichtes Erdbeben der Stärke 5,4 ereignet. Berichte ...

Michael Mittermeier 2009

© Smalltown Boy / CC BY-SA 3.0

Michael Mittermeier „Mein Umfeld ist heute arschlochfreie Zone“

Comedian Michael Mittermeier (50) erklärt in der aktuellen GALA (Ausgabe 44/16, ab morgen im Handel), warum er seit drei Jahren nicht mehr auf großen ...

Lena Gercke 2011

© Manfred Werner (Tsui) / CC BY-SA 3.0

Lena Gercke „Das Thema Kinder rückt näher“

Top-Model und Moderatorin Lena Gercke will wieder vermehrt in ihrer Heimat arbeiten. "Ich habe mich bewusst entschieden, dass ich mehr Zeit in Deutschland ...

Weitere Schlagzeilen