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Bei Chisora sind nun Nehmerqualitäten gefragt

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29.02.2012

Sperre Bei Chisora sind nun Nehmerqualitäten gefragt

WBC verhängt Sperre – Britischer Verband wird wohl folgen – Klitschko-Manager Bönte begrüßt Strafe.

Hamburg/London – Nach seinen skandalösen Ausrastern im Rahmen des WM-Kampfes gegen Witali Klitschko vor knapp zwei Wochen muss Profiboxer Dereck Chisora nun Nehmerqualitäten außerhalb des Rings beweisen. Der Weltverband WBC sperrte den Briten in der Nacht zum Mittwoch für unbestimmte Zeit, strich ihn aus seiner Rangliste und belegte den 28-Jährigen mit einer noch nicht näher bezifferten Geldstrafe in beträchtlicher Höhe. Chisoras Auftritt in München sei „eines der schlimmsten Verhalten eines Profiboxers, das es jemals gegeben hat“, hieß es in einer Mitteilung des WBC.

„Es ist wunderbar, dass der Verband so reagiert hat. Dereck Chisora ist einfach unberechenbar“, sagte Klitschko-Manager Bernd Bönte der Nachrichtenagentur dapd. Die Sperre des WBC ist für Chisora aber nicht gleichbedeutend mit einer längeren Kampfpause. Noch hat er die theoretische Möglichkeit, bei einem der anderen großen Verbände WBO, WBA oder IBF in den Ring zu steigen und dort um Titel kämpfen. Am 14. März wird es aber wohl auch damit vorbei sein. Dann erfolgt Chisoras Anhörung vor dem britischen Profiboxverband.

„Es ist damit zu rechnen, dass Chisora auch da gesperrt wird. Ich gehe von einer Sperre von neun bis zwölf Monaten aus. Und ohne Lizenz kann man nicht boxen“, sagte Bönte, der für Chisoras Ausraster auch im Rückblick nur Kopfschütteln übrig hat: „Wir haben noch nie jemanden erlebt, der zwei Tage lang derart ausgeflippt ist.“ Der Herausforderer hatte Weltmeister Witali Klitschko beim Wiegen eine Ohrfeige verpasst und Wladimir Klitschko unmittelbar vor dem Kampf ins Gesicht gespuckt.

Auf der Pressekonferenz nach dem Duell war es dann endgültig zum Eklat gekommen: Chisora leistete sich nach verbalen Provokationen eine wüste Schlägerei mit Ex-Champion David Haye, der nach seinem Rücktritt keine Lizenz mehr besitzt und deshalb vom Verband nicht bestraft werden kann. „Mit ihrer Sperre gegen Chisora hat das WBC nun ein absolut richtiges Zeichen gesetzt“, sagte Thomas Pütz der dapd. Der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) erhofft sich eine abschreckende Wirkung: „Es kann ja nicht sein, dass sich jetzt jeder Boxer durch solche Aktionen ein Bad-Boy-Image aufbauen will. Die Sportler sollen Vorbilder sein.“

Auch Pütz geht davon aus, dass der britische Verband Chisora in zwei Wochen für längere Zeit aus dem Verkehr ziehen wird: „Ich denke, dass da drakonische Maßnahmen ergriffen werden. Es ist zu hoffen, dass man diesen Menschen so schnell nicht mehr im Ring sehen wird.“ Auf Wunsch des WBC behält der BDB derzeit noch immer 100.000 Dollar von Chisoras Kampfbörse ein. Wahrscheinlich wird der Boxer diese Summe nie erhalten und so seine Geldstrafe zwangsweise begleichen.

Nach derzeitigem Stand sollen 45.000 Dollar an soziale Projekte in Mexiko gehen, 50.000 Dollar würde der BDB für die Jugendförderung erhalten. Mit den übrigen 5.000 soll ein Anti-Aggressionstraining für Chisora finanziert werden. Das WBC machte dem Briten diese Maßnahme zur Auflage und will erst nach erfolgreicher Durchführung neu über dessen Sperre entscheiden. Chisoras Promoter Frank Warren beklagte sich über das Vorgehen des Verbandes.

„Ich finde es seltsam, dass es keine Anhörung vor dem WBC gegeben hat. Dass jemand willkürlich eine Sperre verhängt, widerspricht jedem Naturrecht“, wird der 60-Jährige in britischen Medien zitiert: „Dereck hat Dinge getan, die er nicht hätte machen sollen. Aber am Ende des Tages muss es in so einem Fall eine Anhörung geben.“ Diese erfolgt nun zumindest vor dem britischen Verband. Um eine Sperre dürfte Chisora auch dort nicht herumkommen. Das von Witali Klitschko angeregte Rematch wäre dann erst einmal unmöglich.

„Das hat Witali ohnehin aus der Emotion heraus gesagt und war aktuell nicht wirklich ein Thema“, sagte Bönte: „Wenn Chisoras Sperre abgelaufen ist, will ich aber nicht ausschließen, dass man irgendwann in der Zukunft mal wieder über einen Kampf verhandelt.“ Die Klitschkos wollen es offenbar nicht bei einem Urteil am Grünen Tisch belassen. Die Bestrafung soll auch im Ring erfolgen.

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