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Banken tanken bei der EZB voll

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29.02.2012

Geldhahn Banken tanken bei der EZB voll

Zentralbank vergibt 529,5 Milliarden Euro an 800 Institute.

Frankfurt/Main – Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wieder den Geldhahn aufgedreht: Sie stellte den Banken bereits zum zweiten Mal unbegrenzte Kredite zu extrem günstigen Konditionen zur Verfügung. 800 Institute machten am Mittwoch von dem Angebot ausgiebig Gebrauch und liehen sich die Rekordsumme von 529,5 Milliarden Euro für drei Jahre. Zusammen mit den im Dezember von der EZB vergebenen Krediten haben die Banken damit über eine Million Euro getankt.

„Die schiere Summe ist richtig knackig. Vorstellen kann sich die Höhe keiner“, sagte ein deutscher Geldmarkt-Händler. „Viele hatten aber sogar höhere Erwartungen. Die schwachen Banken haben sicherlich zugegriffen, weil sie anderswo kein Geld bekommen. Andere Adressen wittern ein gutes Geschäft.“

Noch nie wurde in der Eurozone soviel Geld für so lange Zeit zu so niedrigen Zinsen verliehen – die Banken zahlen nur 1,00 Prozent Zinsen jährlich. Bei der ersten Aktion dieser Art im Dezember hatte die EZB 489,2 Milliarden Euro vergeben. Der Geldsegen ist die drastischste Maßnahme gegen die Krise des Euro. Das kann nur die EZB, weil sie über das Geld-Monopol verfügt.

Volkswirte und Börsianer hatten zuvor über die Höhe der zweiten Mega-Kreditvergabe spekuliert. Schätzungen lagen zwischen 250 Milliarden und einer Billion Euro. Die Banken können den Kredit auf Wunsch nach einem Jahr ablösen. Die EZB hatte angekündigt, alle Kreditwünsche gegen hinterlegte Sicherheiten zu erfüllen.

„Für Deutschland wären die Maßnahmen der EZB nicht notwendig, aber für andere Ländern schon“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger in München. Das sieht der französische Regierungsberater und Chefvolkswirt der Bank Natixis, Patrick Artus, etwas kritischer: „Das Problem ist, dass vor allem deutsche Banken das Geld nicht mehr ans Ausland verleihen“, sagte Artus. Sie hätten immer noch Angst, das Geld nicht zurückzuerhalten. Deshalb sei die EZB nun gezwungen, einzuspringen. Die Banken würden zu „Subunternehmern der EZB bei der Krisen-Bekämpfung“.

Zum ersten Mal hatte die EZB am Dienstag griechische Staatsanleihen als Sicherheit zurückgewiesen. Damit hatten offenbar mehrere Banken schwer zu kämpfen. Die abgerufenen Notfall-Kredite stiegen über Nacht um rund 450 Prozent im Vergleich zum Vortag. Insgesamt wurden 4,9 Milliarden Euro an Krediten abgerufen, die nur bis zur Eröffnung des Handels am Morgen laufen. Die EZB hatte auf die Notfall-Kredite als Ausweichlösung explizit hingewiesen.

Während einigen Banken das Geld fehlt, schwimmt der Rest im Geld: Sie parkten in der Nacht zum Mittwoch 481 Milliarden Euro bei der EZB. Zwar gibt es erste Zeichen, dass die Banken das viele Geld nutzen, um wieder Staatsanleihen zu kaufen – ein Vorgang, der abschätzig auch „Sarko-Handel“ nach dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy genannt wird; das meiste Geld schwappt aber immer wieder zurück zur EZB und wird dort angelegt.

Kritik an dem Geldsegen kam von der globalisierungskritischen Attac-Organisation. „Es ist ein Skandal, dass die EZB private Banken unbegrenzt und bedingungslos mit billigem Geld überhäuft, während Hilfen von Staaten für andere Staaten an Auflagen gekoppelt werden, die Millionen Menschen in die Armut treiben“, sagte Kerstin Sack vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis.

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