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01.07.2010

Bahn will mit ICE nach London und Südfrankreich fahren

Berlin – Die Deutsche Bahn will ihr Angebot auf Fernstrecken ins Ausland ausweiten und eine Fernbus-Offensive starten. Konzernchef Rüdiger Grube sagte der Zeitung „Die Welt“, die Bahn werde künftig mit ICE-Zügen von Deutschland aus Süd-Frankreich und Großbritannien ansteuern. In Frankreich sei ein Ausbau der Kooperation mit der SNCF geplant: „Wir wollen unser Gemeinschaftsunternehmen mit der französischen Staatsbahn erweitern. Bislang fahren SNCF und DB gemeinsam die Verbindungen von Stuttgart und Frankfurt nach Paris. Als neue Strecke soll eine Direktverbindung von Deutschland nach Süd-Frankreich hinzukommen“, kündigte Grube an. Die Verbindungen nach Lyon und Marseille sollten ab 2012 aufgenommen werden.

Ebenfalls geplant sind ICE-Verbindungen nach London. „Nach unseren Analysen gibt es im Ballungsraum Rhein-Ruhr 1,1 Millionen potenzielle Fahrgäste für diese Strecke“, so Grube. Der Bahnchef übte in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an den Betreibern des Eurotunnels, der Frankreich mit England verbindet: „Das Problem ist derzeit, dass es bemerkenswerte Zulassungsbeschränkungen für unsere Züge gibt. Der ICE 3, der modernste Zug überhaupt, kommt durch jeden Alpentunnel, aber durch den Eurotunnel darf er nicht. Aber wir sind in dieser Angelegenheit in guten Gesprächen und ich denke, es wird eine Lösung geben.“

Bei Erstattungen in Folge von verspäteten Zügen in Deutschland will der Bahnchef künftig kulanter sein. Er könne den Ärger der Kunden verstehen, wenn deren Zug nach eigener Berechung mehr als eine Stunde zu spät und damit eine Teilerstattung des Fahrpreises fällig sei, man aber von der Bahn mit dem Hinweis, der Zug sei nur 59 Minuten zu spät, abgewiesen werden. „Hier sind wir gerade dabei, die Dinge zu überarbeiten. Der Prozess, wie wir das in diesem Punkt künftig besser machen können, läuft. Wir diskutieren, neue Modelle, damit wir zu kundenfreundlicheren Ergebnissen kommen“, sagte Grube.

Im Inlandsgeschäft will der Bahnchef als Folge der Freigabe des Fernbus-Marktes eine Busoffensive starten, um sich neuer Konkurrenz zu erwehren. „Wenn es zur Öffnung des Fernbus-Marktes kommt, werden wir uns daran beteiligen. Wir werden unser Geschäft mit Fernbussen ausbauen“, kündigte Grube an. „Es ist geplant, dafür zusätzliche Busse anzuschaffen.“ Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte letzte Woche entschieden, dass ein Linienfernverkehr mit Bussen unter Umständen genehmigt werden kann, auch wenn die Strecke bereits von der Bahn bedient wird, wenn die Fahrpreise im Busverkehr deutlich günstiger sind als die entsprechenden Bahnpreise.

Vor den anstehenden Tarifverhandlungen mit den Bahn-Gewerkschaften um höhere Löhne und einen Branchentarifvertrag machte der Vorstandschef einen großen Schritt auf die Arbeitnehmervertreter zu: Er werde den von den Gewerkschaften mit Nachdruck geforderten Beschäftigungspakt verlängern. Der „Welt“ sagte Grube: „In fünf Jahren werden sich der Bahnchef und seine Kollegen fragen, wo man gute, qualifizierte Mitarbeiter herbekommt. Grube ergänzte, bei der Bahn „soll kein Mitarbeiter Richtung Hartz IV gehen müssen“. Er wolle das „in einem verlängerten Beschäftigungsbündnis auch in den kommenden Jahren im Konzern verankern“.

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