Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Wirtschaft - newsburger.de

Robuster Arbeitsmarkt

© dapd

31.01.2012

Baden-Württemberg Robuster Arbeitsmarkt

Bundesweit niedrigste Arbeitslosenquote – Zeitarbeit in der Kritik.

Stuttgart – Erstmals seit einem Jahr verzeichnet Baden-Württemberg im Januar mit 4,1 Prozent wieder die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer. Der Anstieg von 3,7 Prozent im Dezember sei dem Winter geschuldet, teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Stuttgart mit. Die Wirtschaft im Land sei stabil und der Arbeitsmarkt robust.

Arbeitsministerin Katrin Altpeter (SPD) verwies auf den niedrigsten Stand der Arbeitslosigkeit im Januar seit 1992, warnte aber vor zu viel Zeitarbeit.

Im Januar waren im Land fast 21.000 Menschen mehr ohne Job als im Dezember. Dieser Zuwachs der Zahl der Arbeitslosen um 10,1 Prozent auf 228.020 sei auf die Jahreszeit zurückzuführen, sagte die Leiterin der Regionaldirektion, Eva Strobel. “Der Winter dämpft traditionell den Arbeitsmarkt im Südwesten”, betonte sie. Im Vergleich zum Januar 2011 sei die Arbeitslosigkeit kräftig zurückgegangen. Danach waren im Januar 2012 rund 33.000 Menschen weniger arbeitslos als vor einem Jahr, was einem Minus von 12,7 Prozent entspricht.

Baden-Württemberg liege auch mit einer Quote von 2,6 Prozent bei der Jugendarbeitslosigkeit an der Spitze, sagte Strobel. Vor einem Jahr habe dieser Wert bei 3,0 Prozent gelegen.

Die Zahl der gemeldeten Stellen fügt sich in das Gesamtbild ein. Zwar habe sie im Januar im Vergleich zum Dezember um 2.062 (minus 2,7 Prozent) abgenommen. Gegenüber dem Vorjahresmonat wurde jedoch ein Plus von 22,7 Prozent oder 13.572 Arbeitsplätzen verzeichnet, wie Strobel sagte. Derzeit sind 73.259 offene Stellen gemeldet, von denen 94 Prozent sofort besetzt werden könnten.

Ministerin Altpeter wertete dies als einen handfesten Beleg für die ungebrochene wirtschaftliche Dynamik im Land. Sie bedauerte jedoch, dass mehr als 35 Prozent dieser unbesetzten Arbeitsplätze von Zeitarbeitsfirmen angeboten würden. Dies verringere die Chancen für Benachteiligte am Arbeitsmarkt, ein stabiles Beschäftigungsverhältnis zu bekommen, sagte die SPD-Politikerin. Sie appellierte an die Firmen, auf neuen Arbeitsplätzen wieder mehr Menschen direkt einzustellen.

Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf kritisierte, dass die Zeitarbeit im Vergleich zum November 2010 mit 8,3 Prozent am stärksten zugenommen habe. Bei sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen liege das Plus bei lediglich 2,7 Prozent. Ein Leiharbeiter verdiene im Durchschnitt halb so viel wie andere Beschäftigte.

“Armut trotz Erwerbstätigkeit ist auch in Baden-Württemberg ein ernstes Problem, das uns alle teuer zu stehen kommt”, sagte der DGB-Landeschef. Bund und Kommunen hätten die Niedriglöhne in Baden-Württemberg über das Hartz-IV-System 2010 mit 790 Millionen Euro subventioniert.

Das Diakonische Werk Württemberg forderte eine grundsätzliche Richtungsänderung auf Bundesebene. Im Januar habe es 3.528 mehr Langzeitarbeitslose als im Dezember 2011 gegeben. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen betrage jetzt 29,5 Prozent. Für sie sei die öffentlich geförderte Beschäftigung das zentrale arbeitsmarktpolitische Instrument. Trotzdem plane die Bundesregierung 2012 die weitere Kürzung von Mitteln in Baden-Württemberg von 259 Millionen auf 226 Millionen Euro.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+ Xing

© dapd / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/baden-wuerttemberg-mit-robustem-arbeitsmarkt-37251.html

Weitere Nachrichten

Ralf Jäger SPD

© SPD-Landtagsfraktion NRW / gemeinfrei

Bericht Immer mehr Klagen gegen neues NRW-Beamtenrecht

69 Beamte des Landes NRW sind bislang juristisch gegen die neue Dienstrechtsreform vorgegangen. Das geht aus einem neuen Bericht von NRW-Innenminister Ralf ...

Euroscheine Geld

© Friedrich.Kromberg / W.J.Pilsak / CC BY-SA 3.0

Sparkassenpräsident Strafzins ist nicht ausgeschlossen

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), will einen Strafzins für Kleinsparer langfristig nicht ausschließen. "Auch ...

Rentner

© bstrupp / gemeinfrei / pixabay.com

DIW-Chef Fratzscher Höheres Rentenalter unvermeidbar

DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters über 67 Jahre hinaus nach dem Jahr 2030 für unvermeidbar. "Die ...

Weitere Schlagzeilen