Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Politik - newsburger.de

Bachelor und Master sind jetzt die Regel

© dapd

01.02.2012

Bildung Bachelor und Master sind jetzt die Regel

Opposition rügt verschulte Studiengänge – Rekordzahl von über 500.000 Studienanfängern.

Berlin – Die Reform der Studiengänge in Deutschland ist nach neun Jahren weitgehend abgeschlossen. Im Wintersemester 2011/2012 waren 85 Prozent der über 15.000 Studiengänge auf die international üblichen Abschlüsse Master und Bachelor umgestellt, wie das Bildungsministerium unter Berufung auf den aktuellen Bologna-Bericht mitteilte, der am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet wurde. Vor drei Jahren habe der Anteil noch bei 75 Prozent gelegen.

Die praktische Umstellung der Abschlüsse begann 2003. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, die Reformen hätten zu einem notwendigen Strukturwandel an den Hochschulen geführt. Die Änderungen seien wegen der fortschreitenden Internationalisierung der akademischen Ausbildung sinnvoll. Die Opposition warf der Regierung aber vor, die Augen vor den Problemen des verschulten Studiums zu verschließen, gegen das auch seit längerem die Studenten protestieren.

Nach Ansicht des Ministeriums sind mit der Reform die Bildungschancen gewachsen. So sei heute in allen Bundesländern der Zugang zu Hochschulen auch ohne Abitur möglich – etwa für Meister, Techniker oder Fachwirte. Wie aus dem Bericht außerdem hervorgehe, hätten die Absolventen eines Bachelor- oder Masterstudiengangs gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Eine Befragung von Bachelor-Absolventen der Jahrgänge 2007 und 2008 habe ergeben, dass eineinhalb Jahre nach ihrem Abschluss nur vier Prozent der Absolventen von Universitäten und sechs Prozent von Fachhochschulen ohne Job waren.

Die aktuelle Rekordzahl an Studenten ist nach Ansicht Schavans ein Zeichen “für die Attraktivität unserer Hochschulen und für die Beliebtheit von Bachelor und Master”. Im vergangenen Jahr nahmen 515.800 junge Frauen und Männer in Deutschland ein Studium auf.

Die Bildungsexperten der Unions-Fraktion, Albert Rupprecht und Tankred Schipanski, erklärten, die Bologna-Reformen seien letztlich die Voraussetzung für die Bewältigung des Ansturms auf die Hochschulen. Durch die neue Strukturierung des Studiums würden die Hochschulen erst in die Lage versetzt, mehr Studenten in kürzerer Zeit auszubilden. Im Wintersemester 2010/2011 waren in Deutschland nach Angaben der Unions-Politiker unter Berufung auf das Statistische Bundesamt über 1,3 Millionen Studenten in Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben, was einem Anteil von 60 Prozent aller Studenten entspreche.

Der SPD-Hochschulexperte Swen Schulz sprach von einer erfreulichen Entwicklung, allerdings müssten die Qualität der Lehre und die Studienbedingungen verbessert werden. Eine bessere Betreuung, flexible Lehrkonzepte und mehr Beratungsangebote seien für ein erfolgreiches Studium unabdingbar. Schulz forderte die Einführung eines “Abschlussbonus’”, um den Hochschulen Anreize für gute Lehre und erfolgreiches Studieren zu geben. Zudem müsse die soziale Infrastruktur von der Studienberatung über das Wohnheimangebot bis hin zur Kapazität der Mensen Schritt halten mit den wachsenden Studentenzahlen.

Auch die Linke monierte, die Regierung brüste sich mit guten Zahlen, blende aber den schwierigen Alltag der Studenten völlig aus. Die hochschulpolitische Sprecherin der Partei, Nicole Gohlke, sagte: “Dieser Alltag nämlich ist durch Bachelor und Master vor allem von Verschulung, Anwesenheitspflicht und ständigen Leistungsnachweisen geprägt.” Daran hätten die Studentenproteste der vergangenen Jahre nichts geändert. Gohlke forderte eine grundlegende Reform des Bologna-Prozesses.

Die Hochschulreformen wurden bei einer Konferenz 1999 in der italienischen Universitätsstadt Bologna beschlossen, daher der Name. Das Ziel war, in Europa international akzeptierte Hochschulabschlüsse zu schaffen und die Qualität der Studienangebote zu verbessern. Zudem sollte die Mobilität der Studenten gestärkt werden mit Studienaufenthalten im In- und Ausland. An dem Bologna-Prozess wirken nach Angaben des Bildungsministeriums mittlerweile 47 Staaten sowie die EU-Kommission und acht weitere Organisationen in Hochschulbereich mit.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dapd / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/bachelor-und-master-sind-jetzt-die-regel-37466.html

Weitere Nachrichten

Landesgrenze Bayern

© Kontrollstellekundl / CC BY-SA 3.0

Schengen-Raum DIHK kritisiert Verlängerung der Grenzkontrollen

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, hat die Empfehlung der EU-Kommission zu einer weiteren ...

Christian Lindner FDP

© Dirk Vorderstraße / CC BY 3.0

FDP Lindner würde Pleite der Deutschen Bank hinnehmen

In der Diskussion um die Zukunft der krisengeschüttelten Deutschen Bank hat FDP-Chef Christian Lindner nach einem Bericht der in Essen erscheinenden ...

Angela Merkel CDU

© palinchak / 123RF Lizenzfreie Bilder

Unionsfraktionsvize Fuchs Kanzlerin Merkel sollte 2017 erneut antreten

Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs wünscht sich, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Bundestagswahl 2017 erneut antritt. "Wir haben zwölf gute Jahre ...

Weitere Schlagzeilen