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Assad leitet offenbar Bodenangriff auf Homs ein

© AP, dapd

29.02.2012

Syrien Assad leitet offenbar Bodenangriff auf Homs ein

Syrische Truppen umstellen das Viertel Baba Amr – Westliche Journalisten in möglicher Kampfzone.

Beirut – Das syrische Regime hat am Mittwoch offenbar einen Vorstoß zur Rückeroberung der Rebellenhochburg Homs begonnen. Insbesondere das Viertel Baba Amr ist in den vergangenen Wochen zu einem Symbol des Widerstands geworden. Etwa 100.000 Menschen sind dort von Truppen des Präsidenten Baschar Assad eingeschlossen, darunter auch drei westliche Journalisten. Eine Gewährsperson in Damaskus sagte, das Viertel werde binnen Stunden „gesäubert“. Nach Angaben von Aktivisten wurde auch in anderen Stadtteilen ein Angriff vorbereitet.

Wie aus syrischen Militärkreisen verlautete, rückten die Soldaten am Mittwoch auf Baba Amr vor. Das Viertel steht seit Anfang Februar unter heftigem Artillerie- und Raketenbeschuss. Mehrere hundert Menschen sollen dabei getötet worden sein. Die sich ankündigende Bodenoffensive der Streitkräfte Assads könnte sich den von Aktivisten gemeldeten Truppenbewegungen zufolge auch gegen die Stadtteile Bajada und Chaldije richten. Nach Angaben des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte wurde dort der Strom abgestellt.

Auch in die Stadt Halfaja in der Provinz Hama drangen syrische Soldaten nach einem fünftägigen Bombardement vor, wie Aktivisten weiter berichteten. Die von Rebellen beherrschte Stadt Rastan, nördlich von Homs, werde weiter beschossen und es gebe weitere Opfer, hieß es. Mindestens zwei Tote seien zudem aus der Stadt Deir el-Sur und aus dem nördlichen Dorf Maghara gemeldet worden.

Die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos teilte am Mittwoch mit, ihr sei von den syrischen Behörden erneut die Einreise verweigert worden. Sie sei „tief enttäuscht“, dass Damaskus ihre Gesuche ausgeschlagen habe, Regierungsvertreter von höchster Ebene zu besuchen und über die humanitäre Lage zu sprechen, sagte Amos in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay zitierte am Dienstag einen Bericht, in dem UN-Experten zu dem Schluss kommen, dass Mitglieder der syrischen Regierung für „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verantwortlich sind. Aber auch Oppositionsgruppen werden in dem Bericht für Verbrechen verantwortlich gemacht. Die Zahl der Toten in dem seit elf Monaten anhaltenden Konflikt gaben die Vereinten Nationen am Dienstag mit mindestens 7.500 an.

In Homs sitzen offenbar weiterhin drei westliche Journalisten fest: Die bei einem Raketenangriff verletzte Französin Edith Bouvier, ihr Landsmann William Daniels und der spanische Reporter Javier Espinosa. Der britische Fotograf Paul Conroy wurde am Dienstag von syrischen Rebellen ins Nachbarland Libanon geschmuggelt. Bei der Rettungsaktion kamen Aktivisten zufolge 13 Menschen ums Leben.

Paris forderte Damaskus auf, dafür zu sorgen, dass die beiden Franzosen „sicher und zügig“ herausgebracht werden könnten – am besten durch eine Waffenruhe. Frankreich arbeite aktiv daran, die beiden in Homs festsitzenden französischen Bürger in Zusammenarbeit mit den syrischen Behörden sowie dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond aus der Stadt heraus zu holen, sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums, Bernard Valero.

China, das gemeinsam mit Russland eine Resolution gegen Syrien im UN-Sicherheitsrat verhindert hatte, forderte die internationale Gemeinschaft unterdessen zu umfassenden Hilfsleistungen an die syrische Bevölkerung auf. Außenminister Yang Jiechi habe mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga und den Außenministern Saudi-Arabiens und Algeriens bezüglich der Notwendigkeit humanitärer Hilfe telefoniert, hieß es in Peking.

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