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Jobcenter in Halle

© über dts Nachrichtenagentur

27.06.2015

Arbeitsagentur Unnötige Bürokratie bindet 12.000 Jobcenter-Mitarbeiter

Nur die Hälfte der Mitarbeiter stehe für Betreuung und Vermittlung zur Verfügung.

Berlin – Jede fünfte der insgesamt 60.000 Jobcenter-Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt sich nach Erkenntnissen der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit eigentlich unnötiger Bürokratie. Um das Hartz-IV-System funktionsfähig zu machen, fordert BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt daher eine weitreichende Vereinfachung der gesetzlichen Vorschriften: Die Jobcenter „könnten erheblich mehr zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit beitragen könnten, wenn sie ihre Ressourcen auf die Integration in Arbeit konzentrieren könnten“, sagte Alt in einem Interview mit der F.A.Z. (Samstagsausgabe).

Hauptursache des Problems sei, dass es anstelle einer pauschalierten Geldleistung immer mehr einzelfallbezogene Zuschläge für Hartz-IV-Empfänger gebe. Deshalb stehe derzeit „nur die Hälfte der Jobcenter-Mitarbeiter für Betreuung und Vermittlung zur Verfügung“. Dies könnten jedoch „nach einer beherzten Reform sicher 70 Prozent sein“, sagte Alt. „Ohne eine einzige neue Stelle zu schaffen, könnten sich so rund 12.000 Fachkräfte zusätzlich darum kümmern, Bedürftige und Langzeitarbeitslose in eine existenzsichernde Arbeit zu bringen.“

Als Beispiele für einzelfallbezogene Geldleistungen nannte Alt etwa das sogenannte Duschgeld sowie Zuschläge für orthopädische Schuhe und Tapetenkleister. Dabei sei die ursprüngliche Idee der Hartz-Reform gewesen, die stark einzelfallbezogene Sozialhilfe durch eine auskömmliche Pauschale abzulösen.

In der Praxis führten die Jobcenter derzeit für jede der 3,3 Millionen Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften durchschnittlich 650 Blatt Akten, berichtete er. Seit Einführung des Hartz-IV-Systems vor gut zehn Jahren seien insgesamt fast vier Milliarden Blatt oder rund 200 Aktenkilometer aufgelaufen.

Dass bisher kein Abbau der Bürokratie gelungen ist, führte Alt auf fehlendes Interesse der Politik zurück. Er forderte alle Politiker auf, sich in ihren Wahlkreisen genauer über die Arbeit der örtlichen Jobcenter zu informieren. „Das würde nicht nur den Betroffenen, sondern auch den Kollegen in den Jobcentern gut tun“, sagte er. „Für die Weiterentwicklung des Rechts wäre es ein Segen.“

Alt wechselt Ende Juni nach 14 Jahren im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit in den Ruhestand.

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