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Applaus, Handykameras und rote Fähnchen

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23.04.2012

Hannover Messe Applaus, Handykameras und rote Fähnchen

Auf der Hannover Messe erleben die Kanzlerin und Chinas Regierungschef Wachstum aus erster Hand.

Hannover – Die Bundeskanzlerin persönlich sorgt für Ordnung vor dem Absperrband. „Bitte treten sie zur Seite, da kommt der Premierminister“, sagt Angela Merkel. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao erscheint am Montag überpünktlich zum Eröffnungsrundgang auf der Hannover Messe, und die deutsche Regierungschefin lässt es sich nicht nehmen, höchst persönlich für freie Fahrt des hohen Besuchs aus dem diesjährigen Gastland der Messe zu sorgen.

Erste Station nach dem Zerschneiden des roten Bandes am chinesischen Pavillon ist der Stand des Unternehmens SAIC, mit dem der VW-Konzern schon seit den 80er Jahren über ein Joint Venture eng verbandelt ist und der unter anderem den Santana baut, mit knapp vier Millionen Auslieferungen so etwas wie der Volkswagen der Volksrepublik China.

Im Fokus des Interesses von Merkel und Wen am Montag steht das kleine, smart-ähnliche Elektroauto „MG E50“. „Was kostet der denn“, will die Kanzlerin wissen. Die Antwort kommt prompt, sie klingt stolz: „Weniger als 20.000 Dollar.“ Merkel nickt, ihr Lächeln wirkt leicht verkniffen. 1:0 für China.

Überhaupt geht es sportlich zu auf der nach Veranstalterangaben größten Industrieschau der Welt: Gedrängelt wird viel an diesem Auftaktmontag. Allen voran von chinesischen Sicherheitsbeamten, die am Knopf im Ohr und dem Bürstenhaarschnitt leicht als Leibwächter zu erkennen sind. Und: Wer Schritt halten will mit dem Repräsentanten der Wirtschaftsmacht China, muss schon die Ellenbogen ausfahren, um nicht abgehängt zu werden.

Und die Bundeskanzlerin? Sie ist mittendrin. Lächelt, zeigt sich informiert und interessiert – und manchmal staunt sie auch. Zum Beispiel über die Geschichte, die ihr am Stand des Harbin Institute of Technology (HIT), einer Denkfabrik im Nordosten Chinas, erzählt wird: Sie handelt von einer gelähmten Patientin, die dank eines Chipimplantats im Hirn ihren Alltag wieder selbst bewältigt. Merkel ist ganz Ohr. „Das Projekt hier ist ziemlich spektakulär“, sagt die Kanzlerin. „Die Frau denkt: ‚Ich will trinken‘, und der Roboter reicht ihr Wasser.“

Große Freude über den hohen Besuch aus Fernost gibt es am Stand des Elektronik-Spezialisten Phoenix Contact, eines Herstellers von industriellen Steckverbindungen. Das Unternehmen aus Blomberg in Ostwestfalen-Lippe sei bereits seit 18 Jahren in China vertreten, berichten Unternehmensvertreter. „China ist für uns der bedeutendste Markt außerhalb Deutschlands.“ Einen großen Teil des Jahresumsatzes von zuletzt 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet Phoenix in der Volksrepublik, 1.500 Mitarbeiter seien bereits dort beschäftigt.

Wen Jiabao hört das gerne. In die Kameras sagt er: „Ich begrüße mehr deutsche Investitionen in China.“ Und verspricht: „Alle deutschen Unternehmen, die in China registriert sind, genießen Inlandsbehandlung.“ Applaus hinter dem Absperrband, Hurrarufe auf Chinesisch. Rote Fähnchen werden geschwenkt, Aufnahmen mit Handykameras gemacht.

Und die Chinesen haben allen Grund zum Jubeln. Buchstäblich im Hurrastil hat sich die Volksrepublik zu einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt entwickelt. Chinas Wirtschaft wächst ungeachtet aller Krisen, die auch vor der Volksrepublik nicht Halt gemacht haben, zuletzt um gut acht Prozent im ersten Quartal 2012.

Und das merkt man – auch in Hannover. 500 Unternehmen aus China präsentieren sich hier, auf so viel Fläche wie nie zuvor. „Copy and Paste“ als Markenzeichen chinesischer Unternehmenspolitik war gestern. Heute werden Firmen aus der Volksrepublik für ihr Know-how geschätzt – und als Industriepartner umworben.

Nach knapp zwei Stunden ist der Messerundgang vorbei. Er endet am Stand des Mannheimer Manschinenbauers MWM. Die Kanzlerin sagt zum Abschied: „Danke für den Einblick“. Sie verweist auf einen „sehr interessanten“ Rundgang, „auf dem man gesehen hat, dass sich die Intelligenz in Maschinen widerspiegelt“.

Chinas Ministerpräsident Wen gibt sich weniger euphorisch: „Die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland ist gerade erst im Aufschwung. Ein echtes Fazit lässt sich erst in den kommenden Wochen ziehen“, sagt er zum Abschied und lächelt. Wer die geballte Wirtschaftskraft seines Landes auf der Hannover Messe erlebt, der ahnt: Der Regierungschef hat allen Grund dazu.

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