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Annette Frier

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14.11.2017

Annette Frier „Wir brauchen keinen Sexismus-TÜV mit Prüfplakette“

Das eigentliche Thema sei Macht oder besser: Machtmissbrauch.

Berlin – Die Schauspielerin und Komikerin Annette Frier plädiert in der aktuellen Debatte über Sexismus und sexuelle Übergriffe dafür, sich „Lockerheit und Humor nicht abhandeln“ zu lassen.

„Wir brauchen keinen Sexismus-TÜV mit zweijährlicher Hauptuntersuchung und Prüfplakette“, schreibt Frier in einer Kolumne für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwochsausgabe). Das eigentliche Thema sei Macht oder besser: Machtmissbrauch.

Derzeit werde über die Männer als Täter, über die Frauen als Opfer diskutiert. Obwohl es sich meistens auch so verhalte, so Frier weiter, „hadere ich zunehmend mit dieser `Opferrolle`. Wir laufen so Gefahr, schon Erreichtes in Sachen Emanzipation wieder zu verlieren und in eine Gesellschaft mit einer verschlossenen, verklemmten, moralisierenden Mentalität zurückzufallen.“

Sie selbst merke „ein ungewohntes Maß an Verwirrtheit daran, dass ich mich bei dem Gedanken ertappe, ob Männer – auch welche, die ich lange kenne – aus solch einer Verklemmtheit heraus womöglich mir gegenüber auf Komplimente oder Späße verzichten. Ich andersherum übrigens genauso.“

Die Unterhaltungsbranche lebe zu einem großen Teil von Wortwitz, von den ironischen Spitzen, von Späßen, die schon mal hart an der Grenze sind. „Und das Showbusiness handelt nun mal auch mit der `Ware Körper`. Ob es uns passt oder nicht.“

Frier regte einen Perspektivenwechsel an: „Wenn wir über Sexismus und sexuelle Gewalt als eine besonders miese Spielart des Machtmissbrauchs sprechen, dann finde ich ein anderes Gedankenspiel interessant: Wo bin ich selbst eigentlich anfällig dafür, Macht auszuüben? Wie nutze ich als Mutter meine argumentative Überlegenheit gegenüber den eigenen Kindern aus? Wie verhalte ich mich im Beruf? Spiele ich damit, wie ich auf Männer wirke – besonders dann, wenn es `wichtige` Männer sind? Wie oft bin ich selber Täterin oder stumme Zeugin kleiner Demütigungen?“

Es gehe ihr nicht darum, sexuelle Gewalt zu verharmlosen, sondern um einen differenzierten und sensiblen Umgang mit Macht. „Sich damit zu beschäftigen und darüber zu reden, ist unangenehm und anstrengend. Aber ich glaube, es ist wichtiger als der Empörungsschwall, der uns gerade überschüttet.“

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