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Annäherung bei Transfergesellschaft

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15.03.2012

Schlecker Annäherung bei Transfergesellschaft

Aber Finanzierung weiter unklar – Drogeriekette schließt acht Logistikzentren mit 840 Mitarbeitern.

Ehingen/Berlin – Im Ringen um eine Transfergesellschaft für die von der Kündigung bedrohten 12.000 Schlecker-Mitarbeiter haben sich Bund und Baden-Württemberg angenähert. Bei der Finanzierung werde an einer Lösung zwischen Bund und Ländern gearbeitet, hieß es am Donnerstag in Stuttgarter Regierungskreisen weiter. Der Bund will aber nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen bei Hilfen für die Beschäftigten keinerlei Haftung übernehmen. Das hätten die drei beteiligten Berliner Ministerien für Arbeit, Wirtschaft und Finanzen vereinbart. Am Montag sollen nun in Berlin die Bundesländer zu Beratungen über Schlecker zusammenkommen.

Einen Kredit der Staatsbank KfW für die Transfergesellschaft forderte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Ein Sprecher der Bank erklärte, Grundlage müsse ein Beschluss der Bundesregierung sein. Das Bundeswirtschaftsministerium ist bislang gegen Hilfen. Der Insolvenzverwalter möchte 75 Millionen Euro von der KfW. Bsirske ist Mitglied im Verwaltungsrat der Bank. Schlecker schloss derweil auch einen Großteil seiner Logistikzentren.

In Betriebsversammlungen wurden die Mitarbeiter am Mittwoch und Donnerstag in verschiedenen Städten über ein Fortführungskonzept informiert. Konkrete Angaben, wer weiter beschäftigt wird, wurden aber nicht gemacht, wie ver.di mitteilte. In einer Resolution wandten sich die Beschäftigten in Bayern an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). In Bayern, Hessen und Berlin gingen Schlecker-Beschäftigte für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Straße.

Ein KfW-Sprecher sagte, denkbar sei nur ein „Zuweisungsgeschäft“, mit dem der KfW-Eigentümer, die Bundesregierung, der Bank eine Anweisung erteile und das gesamte Risiko übernehme. Dies sei beim ersten Kreditpaket für Griechenland der Fall gewesen. Dafür notwendig sei aber eine politische Entscheidung der Regierung. Ansonsten könne die KfW nur gesunde Mittelständler bis 500 Millionen Euro Umsatz fördern.

Schlecker teilte unterdessen mit, dass das Unternehmen auch acht Logistikzentren schließt. Die Standorte mit rund 840 Mitarbeitern sollen bis 1. August dicht gemacht werden. Künftig werden die Märkte den Angaben zufolge nur noch von einem Zentrallager in Ehingen und vier Regionallagern aus versorgt. Damit passe Schlecker seine Logistik an die neue Filialstruktur an.

Die Beschäftigten seien am Mittwoch informiert worden. „Wir werden für die betroffenen Mitarbeiter einen Vorschlag erarbeiten, der den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich macht“, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Er sprach von einem „harten Schritt“, den sich das Unternehmen „nicht leicht gemacht“ habe.

Schlecker zufolge werden die Logistikzentren in Schwarmstedt bei Hannover, in Luckau bei Cottbus und in Grevenbroich bei Neuss in Nordrhein-Westfalen geschlossen. Betroffen seien auch die Standorte im thüringischen Berka/Werra (Wartburgkreis), in Kürnach bei Würzburg sowie in Alzey südlich von Mainz. Aufgeben will Schlecker zudem seine Warenlager im baden-württembergischen Empfingen (Landkreis Freudenstadt) sowie in Nittendorf bei Regensburg.

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