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Angeklagter soll für knapp elf Jahre in Haft

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23.04.2012

Toter Tätowierer Angeklagter soll für knapp elf Jahre in Haft

Staatsanwaltschaft plädiert auf Totschlag – Mord aus Grausamkeit nicht nachweisbar.

Berlin – Wegen Totschlags eines Tätowierers drohen einem geständigen 30-Jährigen nach dem Willen der Anklage bis zu zehneinhalb Jahre Haft. Der US-Amerikaner habe sein Opfer im Juli 2011 nach einem Streit in Oberschöneweide „auf bestialische Art“ getötet, sagte der Staatsanwalt am Montag vor dem Berliner Landgericht. Bei der Berechnung des Strafmaßes plädierte der Ankläger dabei auf Totschlag, da dem Angeklagten das Mordmerkmal der Grausamkeit nicht nachzuweisen sei.

In einer Wohnung in Oberschöneweide soll der 30-Jährige den 31-jährigen Österreicher mit 52 Beilschlägen an den Kopf getötet haben. Der Anklage nach spaltete er dem noch lebenden Opfer mit einem Beil das Gesicht und schlug dann noch mehrere Male mit dem Werkzeug auf den Mann ein. Danach soll der Angeklagte gemeinsam mit seiner Freundin die Leiche zerstückelt und Torso, Arme sowie Beine in der Spree entsorgt haben. Den Kopf hatte die Freundin des Angeklagten im Schäfersee in Reinickendorf versenkt.

Die 22-Jährige war ursprünglich wegen Strafvereitelung mitangeklagt. Nach einem Teilgeständnis hatte das Gericht das Verfahren gegen sie aber gegen 1.000 Euro Geldbuße eingestellt.

Der Angeklagte indes habe eindeutig mit Tötungsabsicht gehandelt, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Das Mordmerkmal der Grausamkeit könne jedoch nicht bewiesen werden. „Dass der Angeklagte sein Opfer quälen wollte, können wir nicht feststellen“, sagte der Ankläger. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass das Zerstückeln der Leiche „nicht als Kriterium für eine grausame Tötung gelten darf“.

Laut Anklage war die Tat dennoch „eine Eruption der Gewalt“. Allerdings gebe es keine Antwort für diese „Unbarmherzigkeit“. Der Angeklagte hatte im Prozess über seinen Verteidiger zwar ein Geständnis abgelegt, aber zum Tatmotiv keine Angaben gemacht. In seinem Schlusswort hatte er noch einmal die Familie des Opfers um Entschuldigung gebeten. Auch vor diesem Hintergrund sprach sich unterdessen die Verteidigung für eine Haftstrafe von achteinhalb Jahren aus.

In ihren Plädoyers folgten Staatsanwaltschaft und Verteidigung der Ansicht eines Gutachters, wonach der Tätowierer aufgrund seiner Alkoholisierung in der Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert war. Der Sachverständige hatte dem „überdurchschnittlich intelligenten“ Angeklagten eine „frühe Delinquenz“ und eine Alkoholsucht bescheinigt. Bisher habe es aber keine vernünftige Behandlung der Suchterkrankung gegeben, hieß es. Das Risiko, dass er wieder Gewalttaten begehe, sei daher hoch. Der Gutachter empfahl daher auch die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt.

Der 30-Jährige ist in den USA wegen Gewaltdelikten bestraft. Das Urteil soll am 26. April verkündet werden.

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