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An- und Verkauf 2.0

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21.02.2012

Momox An- und Verkauf 2.0

Internethändler Momox will in Leipzig seine europäische Logistik-Zentrale aufbauen.

Leipzig – Vor dem ehemaligen Gelände des 2009 pleitegegangenen Versandhauses Quelle im Norden Leipzigs parken wieder Autos. Sie gehören den 120 Mitarbeitern des Internethändlers Momox, des “Marktführers im Re-Commerce”, wie Geschäftsführer Oliver Dahms den elektronischen Handel mit Gebrauchtwaren nennt. Viele seiner Mitarbeiter hätten zuvor bei Quelle gearbeitet und seien überrascht gewesen, so schnell an ihre alte Arbeitsstätte zurückzukehren, sagt Dahms.

Quelle habe es “nicht ins Online-Zeitalter geschafft”. Momox sei auch ein “klassischer Versandhändler”, betont Dahms, allerdings von Beginn an online – ein An- und Verkauf 2.0. Der Geschäftsführer vergleicht das Prinzip mit der “Suche-und-Biete-Wand im Supermarkt”. Sein Unternehmen kauft gebrauchte Medien wie Bücher, CDs, DVDs und elektronische Geräte wie Handys zu einem Preis an, den Kunden vor dem Verkauf online einsehen können.

Täglich würden etwa 100.000 gebrauchte Artikel, vor allem Bücher, in das bisherige Lager nach Berlin und nun auch in die zusätzliche Halle nach Leipzig eingesandt. Die Mitarbeiter von Momox bereiten die Gebrauchtartikel auf, tauschen beispielsweise beschädigte CD-Hüllen gegen neue aus und sortieren gebrannte CDs aus.

Rund 80 Prozent dieser Gebrauchtartikel verkauft das Unternehmen online weiter über den eigenen Shop Medimops sowie Verkäuferseiten bei Amazon und Ebay. Gewinn erzielt Momox durch die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis.

Nach eigenen Angaben hat Momox den Umsatz Jahr für Jahr auf jetzt rund 40 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Es sei ein allgemeiner Trend, dass der Online-Handel boome, sagt Christin Schmidt vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels. Durchschnittlich sei der Umsatz von Online-Händlern im vergangenen Jahr um mindestens 15 Prozent gewachsen, weil “immer mehr Leute das Internet nutzen und es als Kauffeld für sich entdecken”, erläutert Schmidt.

Bei Versandhändlern beobachte sie, dass es eine Verlagerung vom klassischen Versandhandel mit Bestellung über Katalog oder Telefon hin zur Auftragsvergabe online gebe. Über Online-Bestellungen würden bereits 65 Prozent des Umsatzes im Versandhandel gemacht, sagt Schmidt.

Momox selbst habe mit dem Handel mit Gebrauchtwaren “erfolgreich das Prinzip von Ebay aufgegriffen”, sagt Schmidt. Im Re-Commerce sehe sie jedoch “keinen neu ausbrechenden Hype”, auch wenn Momox “in den letzten Jahren sehr gut ins Laufen” gekommen sei und sich “auch noch weiter positiv entwickeln” werde.

Dahms ist da enthusiastischer und erwartet, mit Momox “richtig Geschichte zu schreiben”. Re-Commerce habe “eine große Zukunft”, da man nahezu alle Produkte gebraucht verkaufen könne, “vielleicht außer Lebensmittel und Partnervermittlung”, sagt der 46-Jährige schmunzelnd. “Nachhaltigkeit, also Artikel auch zum zweiten Mal zu nutzen, wird vor dem Hintergrund der Ressourcenknappheit wichtiger”, fügt er hinzu.

Diesen Kreislauf der Zweitverwertung illustriert er an Kunden, die Momox als “Online-Videothek” nutzen: “Wir haben Kunden, die kaufen sich am Donnerstag bei Medimops ihre Videospiele für das Wochenende, verkaufen die am Montag bei Momox, kriegen Mittwoch ihr Geld und kaufen dann am Donnerstag neue Videospiele.”

Für den Online-Handel brauche man aber mehr als nur Internet-Kenntnisse, warnt der gelernte Handelslogistiker Dahms, der zuvor Logistik-Leiter bei Amazon war. So müssten Waren gelagert, Pakete versandt und Rücksendungen angenommen werden. Viele Online-Start-ups hätten dieses “Offline-Handwerkszeug” unterschätzt, das habe ihnen “das Genick gebrochen”, sagt Dahms.

Momox soll in den nächsten zwei Jahren auch europaweit Artikel an- und verkaufen und Leipzig dabei zur europäischen Logistik-Zentrale der Firma werden. Deswegen plant Dahms, weitere 70.000 Quadratmeter Lagerfläche auf dem ehemaligen Quelle-Gelände anzumieten. Zudem sucht er noch 200 Mitarbeiter für das Lager, den kaufmännischen und den IT-Bereich.

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