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Amokschütze kann sich kaum an die Tat erinnern

© AP, dapd

20.03.2012

USA Amokschütze kann sich kaum an die Tat erinnern

Anwalt trifft seinen Mandat in Kansas – Ehefrau spricht Angehörigen der Opfer ihr Beileid.

Fort Leavenworth – Der mutmaßliche US-Amokschütze kann sich nach Angaben seines Anwalts nur an wenige Details aus der Nacht der Bluttat in Afghanistan erinnern. Dem US-Feldwebel wird vorgeworfen, vor eineinhalb Wochen seinen Stützpunkt in der südafghanischen Provinz Kandahar verlassen und 16 Menschen getötet zu haben.

Verteidiger John Henry Browne teilte am Montag nach einem ersten Treffen mit seinem Mandanten, dem Soldaten Robert Bales, mit, „er erinnert sich an manche Dinge, die in der Nacht geschahen. Er hat ein paar Erinnerungen an die Zeit vor dem Vorfall und er hat ein paar Erinnerungen an die Zeit danach. Von dazwischen, sehr wenig.“ Der 38-jährige Bales ist in einem Militärgefängnis in Fort Leavenworth im US-Staat Kansas. Anklage wurde wegen des Vorfalls am 11. März noch nicht erhoben.

Bales, der in einer Einzelzelle sitzt, habe ihm während eines mehr als dreistündigen Gesprächs eine bewegende Darstellung des Einsatzes in Afghanistan geliefert. „Man liest darüber. Ich habe darüber gelesen. Aber es ist etwas total anderes, wenn man es von jemandem hört, der dabei war“, sagte Browne. „Es ist einfach sehr bewegend.“ Für diese Woche seien weitere Treffen mit Bales geplant, erklärte er.

Eine Entscheidung über den Umfang der Anklage stehe noch aus, teilte eine mit der Materie vertraute Person aus US-Militärkreisen mit. Auch eine Entscheidung über den Gerichtsstandort sei noch nicht gefallen. Allerdings werde er in den USA liegen. Im Prozess sei es dann möglich, dass afghanische Zeugen und Opfer eingeflogen würden, sagte er.

Unterdessen sprach Bales‘ Ehefrau den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Sie wolle wissen, was geschehen sei. Sie und ihre Schwiegereltern seien sehr traurig. Das, was sie in der Presse über den Vorfall gelesen hätten, passe nicht zum Charakter ihres Mannes. Gerichtsakten und Aussagen belegen außerdem, dass Bales mehrere Belobigungen wegen guter Führung während der Einsätze im Irak und in Afghanistan erhalten hatte.

„Meine Familie und Bobs Verwandte sind sehr betrübt. Wir möchten den Menschen des Bezirk Pandschawai unser Beileid aussprechen. Wir fühlen mit ihnen, vor allem mit den Eltern, Brüdern, Schwestern und Großeltern der verstorbenen Kinder“, hieß es in der Mitteilung der Ehefrau.

Zudem wurde bekannt, dass Bales 2003 von einem Schiedsgericht zur Zahlung von 1,5 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro) verurteilt wurde. Er war des Wertpapierbetrugs schuldig gesprochen worden. Die Summe steht noch aus. Nach Erkenntnissen der Nationalen Vereinigung der Wertpapierhändler verhielten sich Bales, ein weiterer Mann und sein Unternehmen betrügerisch, brachen ihre Treuhänderpflicht, betrieben ungenehmigten Handel und verfolgten unangemessene Investitionen.

Wie aus entsprechenden Unterlagen hervorgeht, wurde im Jahr 2000 im Staat Ohio eine Beschwerde gegen Bales eingereicht, als er Aktienhändler war. Das Schiedsgericht bezeichnete sein Vorgehen seinerzeit als „betrügerisch und arglistig“. Etwa eineinhalb Jahre nach Eingang der Beschwerde, nur zwei Monate nach den Anschlägen vom 11. September 2001, ging Bales zu den Streitkräften.

Außerdem hatte Bales in den vergangenen Jahren weitere Probleme. Eine Investition in Florida entwickelte sich schlechter als von ihm erwartet und er hatte Mühe die Instandhaltung und die Raten für sein Haus in Seattle und ein weiteres Gebäude aufzubringen. Vor Kurzem kam dazu, dass er eine angestrebte Beförderung nicht erhielt.

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