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Am liebsten würde Cuche bis 60 fahren

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22.01.2012

Weltcup Am liebsten würde Cuche bis 60 fahren

Der Schweizer feiert mit dem fünften Abfahrtssieg einen historischen Abschied aus Kitzbühel.

Kitzbühel – Didier Cuche überlässt wirklich nichts dem Zufall. Er gilt als Perfektionist, bei ihm muss alles stimmen. Auch die Wahl der Gondel, die ihn nach oben zum Starthaus bringt. Vor der Abfahrt in Kitzbühel musste es daher seine eigene sein. Jeder Sieger der Hahnenkamm-Rennen bekommt als Lohn für die besondere Leistung eine Gondel mit seiner Namenswidmung geschenkt. “Zur Besichtigung war ich noch in der von Franz Klammer gefahren”, erzählt Cuche.

Diesen Klammer, diese österreichische Ski-Ikone, hat der Schweizer endlich übertrumpft und als einziger Rennläufer fünf Siege auf der legendären Streif errungen. Streng genommen hat der 37 Jahre alte Neuenburger sogar sechsmal gewonnen – 2010 siegte er noch im Super G. Es ist viel geschrieben worden über die beiden Ausnahme-Skifahrer, von Klammer und Cuche, vor dem Abfahrtsrennen in Kitzbühel. Cuche hatte am Donnerstag seinen Rücktritt zum Saisonende bekannt gegeben.

Der Ort war bewusst gewählt, der Zeitpunkt seiner Entscheidung war aber “ein Bauchgefühl”, wie Cuche sagt. Im Auto auf der Fahrt nach Kitzbühel sei die Idee geboren. Der Ort in den Tiroler Alpen, der ihm viele wundervolle Momente bescherte in seiner Karriere, hat für ihn eine ganze magische Anziehung. Und die Entscheidung wurde zur erhofften Befreiung. Seit seinem Sieg in Lake Louise am Anfang der Saison war ihm irgendwie sein Schwung abhandengekommen. Cuche wirkte seltsam angespannt. Mehr als ein achter Platz in der Abfahrt von Bormio wollte dem Neuenburger nicht mehr gelingen. “Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich träume, obwohl ich wach bin”, sagt Cuche nach dem fünften Triumph.

Der gelernte Metzger ist nie Olympiasieger geworden. Dennoch wird er in den Köpfen der Zuschauer später einmal verklärende Erinnerungen wecken dürfen, weil er auf der Streif, der berühmtesten und gleichzeitig auch der brutalsten Abfahrt im Weltcup, eindrucksvolle Bilder hinterlassen hat. “Für mich ist ein Sieg in Kitzbühel mehr wert als ein Weltmeistertitel”, sagt Klammer. Deshalb kommt es auch fast schon einem Gefühlsausbruch gleich, wenn der sonst so beherrschte Cuche verkündet, dass es ihn unglaublich stolz mache, die Bestätigung geliefert zu haben, “dass ich diesen Berg von oben bis unten im Griff habe.”

Dabei durfte er bei seiner letzten Fahrt ins Tal hinab nicht einmal über die berühmte Mausefalle springen oder über den Steilhang brettern. Der dichte Schneefall verhinderte ein Abschied auf der ganzen 3,312 Kilometer langen Strecke. Das Rennen begann bei der Alten Schneise. Besonders traurig ist Cuche über die verkürzte Piste allerdings nicht gewesen. Sieg bleibt Sieg.

Er beschäftigt sich nicht mit Dingen, die er nicht beeinflussen kann. Das ist auch seine große Stärke: da zu sein, wenn es darauf ankommt. Er hat immer härter gearbeitet als alle anderen. Er war nie ein Hochbegabter wie Hermann Maier oder Bode Miller. Er hat sich vielmehr sogar die Schwünge der Besten abgeschaut, um selbst zu ihnen gehören zu können. Seine Karriere hat eben einen längeren Anlauf gebraucht, Cuche fährt in einem Alter am erfolgreichsten, wenn andere schon längst aufgehört haben. Mit 32 Jahren gewann er seinen ersten und einzigen Weltmeistertitel.

Doch auch Cuche kann den Alterungsprozess nicht aufhalten. So wird er den Ski-Weltcup im März für immer verlassen. Ganz so, wie er es sich vorgestellt hatte: Auf der Höhe seiner Schaffenskraft. “Ich kann noch Rennen gewinnen”, sagt Cuche. Der Abschied fällt ihm schwer. Er würde gerne noch bis 60 fahren, bekennt er. Gerade jetzt, wenn es so gut läuft.

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