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Albtraum für Beschäftigte wird wahr

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14.03.2012

Schlecker Albtraum für Beschäftigte wird wahr

Tränen vor Massenentlassungen: 12.000 Jobs sind weg.

Ehingen – Bei Schlecker wird der Albtraum Wirklichkeit: Die Betriebsräte erhielten am Mittwoch erstmals eine Liste mit Kündigungskandidaten bei einem Treffen mit Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz in Oberhof/Thüringen. Es trifft fast 12.000 der noch rund 25.000 Beschäftigten. Bei einigen Arbeitnehmervertretern flossen Tränen. Gleichzeitig veröffentlichte die insolvente Drogeriekette eine Liste mit 2.000 Filialen, die zum schon 24. März geschlossen werden. Dort beginnt bereits der Räumungsverkauf.

Derweil stritt sich die Politik um eine Transfergesellschaft zur Weiterbeschäftigung und Qualifizierung der Beschäftigten. Der Stuttgarter Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) verlangte von der Bundesregierung die Zwischenfinanzierung. „12.000 Frauen werden sonst auf der Straße stehen, und diese Verantwortung nehme ich nicht auf mich“, sagte der Politiker im Landtag. Das FDP-geführte Bundeswirtschaftsministerium hatte die Finanzierung zuvor in einem Brief an Schmid, der dapd vorlag, abgelehnt.

Die Firma teilte mit, die Schließungsliste der Märkte sei vorläufig, es könnten sich noch Änderungen ergeben. Beim Räumungsverkauf gibt es 30 Prozent Rabatt auf alle Produkte, die keiner Preisbindung unterliegen. Laut Geiwitz bleiben 3.120 Filialen erhalten. Bei weiteren 282 werde die Schließung noch einmal überprüft. Der Kündigungstermin für die Mitarbeiter ist noch unklar. Dabei ist eine Sozialauswahl geplant.

Die Märkte wurden Dienstagabend per Fax unterrichtet. „Wir müssen Ihnen heute leider mitteilen, dass Ihre Verkaufsstelle nach vorläufigem Stand zum 24. März 2012 geschlossen wird“, hieß es dort. Es sei mit allen Beteiligten nach Alternativen gesucht worden. „Doch um eine zukunftsfähige Basis für Schlecker zu schaffen, ist es unumgänglich, das Filialnetz jetzt deutlich zu verkleinern.“

Die Schließung der Märkte bedeutet jedoch nicht gleichzeitig die Kündigung der dort beschäftigten Mitarbeiter. „Die wirtschaftlich unvermeidlichen Entlassungen werden einem Sozialplan folgen“, teilte das Unternehmen weiter mit.

Die Liste der Entlassungskandidaten werde nun von den Betriebsräten überprüft, ob sie nach den Sozialkriterien zustande gekommen sei, sagte der ver.di-Verhandlungsführer Bernhard Franke. Dabei geht es um Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit und Unterhaltsverpflichtungen. Die letzte Entscheidung darüber, wer entlassen werde, liege allerdings nicht bei den Betriebsräten, sondern beim Arbeitgeber und beim Insolvenzverwalter. Mit Beschlüssen sei frühestens am Wochenende zu rechnen.

Zentraler Punkt der Gesprächein Oberhof war daher die Gründung einer Transfergesellschaft, in der die zu entlassenden Mitarbeiter aufgefangen werden sollen, um die sozialen Folgen abzufedern.

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnte am Mittwoch eigene Hilfen für die insolvente Drogeriekette Schlecker erneut ab. „Im Fall von Schlecker liegt die Zuständigkeit (…) beim Bundesland Baden-Württemberg“, schrieb Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer (FDP) an Baden-Württembergs Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid und Arbeitsministerin Katrin Altpeter (beide SPD). Der Brief lag der Nachrichtenagentur dapd vor.

Schmid sagte im Landtag, Insolvenzverwalter und Arbeitsagenturen seien einig, dass eine Transfergesellschaft die beste Lösung sei, da durch sie eine passgenaue Vermittlung und Weiterqualifizierung möglich sei.

Ver.di-Chef Frank Bsirske forderte Bundesregierung und Landesregierungen auf, damit aufzuhören, „sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben“. Es gehe jetzt vor allem darum, die von Arbeitslosigkeit bedrohten Schlecker-Beschäftigten aufzufangen, von denen viele über 50 Jahre alt und teilweise ohne Ausbildung seien. Die Transfergesellschaft sei dafür unabdingbar.

Parallel dazu ist Geiwitz auf der Suche nach Investoren für Schlecker. „Ich habe eine zweistellige Zahl von Interessenten, die auch schon umfangreiche Unterlagen bekommen haben“, sagte Geiwitz der Zeitung „Die Welt“. Darunter seien „bekannte Namen“. „Die ersten Gespräche waren gut“, sagte Geiwitz dem Blatt weiter.

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