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17.02.2010

Airbus-Chef rechnet weiter mit Streit um Militärtransporter A400M

Hamburg – Airbus-Vorstandschef Thomas Enders hat Meldungen widersprochen, wonach es einen Durchbruch bei den Verhandlungen mit den Bestellnationen über den Militärtransporter A400M gibt. „Die Positionen haben sich zwar angenähert, und die Regierungen haben uns ein Angebot zur Kostenbeteiligung gemacht, aber es sind noch eine Reihe von für uns sehr wichtigen Fragen offen, die vor einer Einigung geklärt werden müssen“, sagte Enders der Tageszeitung „Die Welt“. Enders forderte eine schnelle Lösung im Milliardenstreit. „Wir brauchen Klarheit, nicht zuletzt für unseren Jahresabschluss 2009, aber vor allem für unsere Mitarbeiter und Partner im Programm“, sagte der Airbus-Chef. Die Ungewissheit über den A400M dauere schon zu lange an. Er rechne letztlich mit einem Ergebnis, „das für uns gerade noch akzeptabel ist“.

Der A400M ist zurzeit das teuerste Rüstungsprojekt in Europa. Airbus hatte sich 2003 verpflichtet, 180 Maschinen zu einem Festpreis von 20 Milliarden Euro auszuliefern. 60 Flugzeuge will die Bundesregierung abnehmen – als Ersatz für die veralteten Transall-Maschinen. Die Kosten des Rüstungsprogramms sind jedoch in die Höhe geschnellt. Nun ist von Mehrkosten in Höhe von elf Milliarden Euro die Rede. Airbus will eine deutliche Beteiligung der sieben Käufernationen, darunter Deutschland. Airbus komme das Programm so oder so teuer zu stehen, sagte Enders. „Auch wenn wir jetzt eine Basis zur Fortsetzung des A400M-Programms finden – und da bin ich verhalten optimistisch -, wird dieses Programm dennoch für viele Jahre eine erhebliche Belastung für Airbus darstellen.“ Der Flugzeugbauer hat bislang Verlustrückstellungen von 2,4 Milliarden Euro vorgenommen und sei auch bereit, „weitere Belastungen zu tragen“. Es gehe jedoch um eine „faire Aufteilung“.

Enders bestätigte, dass die erste Maschine drei Jahre nach Erstflug – also Ende 2012 – ausgeliefert werden soll. „Das ist der Plan – und das halte ich für realistisch.“ Die Staaten und Airbus sollten nach einer Einigung über den A400M eine Bestandsaufnahme vornehmen. „Wenn sich der Pulverdampf über der A400M-Diskussion verzogen hat, sollten wir uns gemeinsam mit den Auftraggebern zusammensetzen und die Fehler analysieren.“ Enders forderte mehr Ehrlichkeit bei Vertragsverhandlungen. „Die Kunden pressen auf Teufel komm` raus noch das letzte Zugeständnis aus der Industrie. Und die akzeptiert Unmögliches, nur um einen Auftrag an Land zu ziehen – wohl wissend, dass sie damit enorme Risiken eingeht. Das kann nicht gut gehen.“

Enders sprach sich als Lehre aus dem A400M-Desaster für eine neue Preisformel bei Rüstungsaufträgen aus. Festpreise machten nur dort Sinn, wo die Entwicklungsrisiken begrenzt seien und die Industrie auf vorhandenen Produkten aufbauen könne. Bei kompletten Neuentwicklungen wie dem A400M müsse eine Mischkalkulation her. „Fixpreise für vorhandene Technologie – und sogenannte Cost-plus-Verträge, also Aufschläge auf den Basispreis, wenn es darum geht, technologisches Neuland zu betreten. Wir brauchen eine vernünftige Balance.“

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