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Deutsches Bundeswehrcamp "Camp Marmal" in Afghanistan

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05.10.2013

Afghanistan-Kommandeur „Irgendwann muss man abnabeln“

„Das ist der Schlusspunkt eines langen erfolgreichen Einsatzes.“

Kabul – Der Kommandeur der internationalen Truppen in Nordafghanistan, der deutsche Generalmajor Jörg Vollmer, verteidigt die laufenden Abzugspläne aus Afghanistan. „Irgendwann muss man abnabeln“, sagte Vollmer der „Welt“ (Samstag) kurz vor der Übergabe des vorletzten deutschen Stützpunkts in Kundus. „Wenn wir immer da sind, werden wir immer wieder um Hilfe gebeten.“ Raum für Verbesserungen gebe es immer. „Wir haben die afghanischen Sicherheitskräfte etwa auf 80 Prozent gebracht, die letzten 20 Prozent müssen sie nun allein schaffen“, sagte Vollmer. „Sonst könnten wir hier noch zehn Jahre bleiben.“

Vollmer leitet seit Ende Februar das Isaf-Regionalkommando Nord mit rund 7.000 Soldaten aus 17 Ländern. Die Schließung des sogenannten PRT in Kundus sei „schon eine Zäsur“. „Das ist der Schlusspunkt eines langen erfolgreichen Einsatzes“, sagte er. In Deutschland sei die Wahrnehmung des Afghanistan-Einsatzes immer auf Kundus fixiert gewesen. „In Kundus haben wir zum ersten Mal in kriegsähnlichen Zuständen auch mit Waffengewalt Frieden erzwingen müssen.“

Zwischen 2009 und 2012 hätte die Bundeswehr in dieser Provinz in intensiven Gefechten gestanden, „in ganz anderer Qualität als je zuvor“. Heute gebe es in einigen Distrikten Nordafghanistans noch Probleme mit organisierter Kriminalität und auch punktuelle Terroranschläge. „Es ist nicht überall friedlich“, sagte Vollmer. In Extremsituationen könne eine schnelle Eingreiftruppe, die im zentralen Feldlager in Masar-i-Scharif stationiert ist, jederzeit nach Kundus zurückkehren – „wenn wir das Gefühl haben, dass die afghanischen Sicherheitskräfte die Lage nicht unter Kontrolle haben“.

Insgesamt habe sich der Einsatz gelohnt, bilanzierte Vollmer, der bereits zum zweiten Mal Isaf-Regionalkommandeur ist. „Von Afghanistan aus kann sich so schnell nicht wieder irgendeine Terrororganisation ein Netzwerk aufbauen“, sagte er. „Das ist vorbei. Dazu hat sich hier zu viel verändert.“ Mit Sicherheit könne er das aber nicht voraussagen. „Sicher ist nichts in Afghanistan.“ Es dauere seine Zeit, bis man das endgültig beurteilen könne, „fünf bis zehn Jahre vielleicht“.

Optimistisch machten ihn bereits Veränderungen im Land, die sich nicht zurückdrehen ließen. „Hier gibt es mittlerweile flächendeckend Handy-Verbindungen, Internet, Radio, Fernsehen“, sagte Vollmer. „So etwas verändert eine Gesellschaft.“

Die Afghanen hätten im Moment so gute Voraussetzungen wie nie zuvor. „Durch den Aufbau der Schulen und Universitäten ist eine junge Generation aufgewachsen, die will, dass es weitergeht.“

Die größte Herausforderung sei, dass diese gut ausgebildeten jungen Menschen auch Arbeitsplätze hätten. „Wenn jetzt noch eine Generation die Chance hat, unter diesen Bedingungen aufzuwachsen, dann ist es geschafft.“

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