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Angriff auf Tanklaster

© Jawed Kargar / Archiv über dpa

25.01.2015

Afghanistan Bundeswehr zahlte mehr als eine Million Dollar für Kriegsschäden

Van Aken forderte weitere Aufklärung.

Berlin – Beschädigte Brücken, abgebrannte Felder, zerstörte Fahrzeuge: Für viele Kriegsschäden in Afghanistan hat die Bundeswehr Entschädigung gezahlt – auch für getötete oder verletzte Zivilisten. Jetzt gibt es erstmals eine Liste mit Beträgen und Einzelfällen.

Die Bundeswehr hat für die von ihr in Afghanistan verursachten Kriegsschäden mehr als eine Million US-Dollar gezahlt. Das geht aus einer Aufstellung des Verteidigungsministeriums mit den Entschädigungssummen von Beginn des Einsatzes Anfang 2002 bis August 2014 hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Mehr als die Hälfte des Gesamtbetrags von 1,1 Millionen Dollar (aktuell 996 000 Euro) entfällt mit 601 000 Dollar (536 000 Euro) auf die von der Bundeswehr im September 2009 veranlasste Bombardierung zweier Tanklaster in der Unruheprovinz Kundus, bei der etwa 100 Menschen getötet wurden.

Daneben wurden seit Anfang 2010 in vier Fällen zwischen 1500 und 7800 Dollar (1338 bis 6960 Euro) für durch Schüsse der Bundeswehr verletzte oder getötete Personen gezahlt. Die restlichen 503 000 Dollar (449 000 Euro) entfielen auf getötete oder verletzte Tiere und Sachschäden – von der zerstörten Brücke bis zum abgebrannten Feld.

Der größte einzelne Betrag wurde mit 78 000 Dollar (69 600 Euro) für die bei der Operation „Halmasag“ (Dari für Blitz) im Herbst 2010 zerstörten Felder gezahlt. Es war die größte Offensivoperation der Bundeswehr in Afghanistan.

Den Familien von 90 Opfern des Bombardements von Kundus wurden jeweils 5000 Dollar ausgezahlt. Hinzu kamen 135 000 Euro „Winterhilfe“. Es handelt sich stets um freiwillige Kompensationszahlungen, die kein Schuldeingeständnis bedeuten. Über die Höhe der Entschädigung der Opfer von Kundus läuft immer noch ein Rechtsstreit.

Die Liste war vom Verteidigungsministerium auf Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Jan van Aken zusammengestellt worden. Für die Jahre 2010 bis 2014 sind 186 Einzelfälle angegeben, für die Zeit zwischen 2002 und 2009 nur Jahressummen.

Van Aken forderte weitere Aufklärung. „Die Bundeswehr muss jetzt dringend erklären, wer eigentlich warum entschädigt wurde und wer nicht“, sagte er. „Könnte es sein, dass die Bundeswehr Entschädigungen für zivile Opfer des Krieges auch mal verweigert hat, um die Bilanz zu schönen, um weiteren Ansprüchen und Klagen zu entgehen?“

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