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Ärzte starten Kampagne gegen überflüssige Operationen

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14.08.2011

Gesundheitssystem Ärzte starten Kampagne gegen überflüssige Operationen

Heidelberg – Zu einem ungewöhnlichen Mittel, um ärztlicher Übertherapie zu begegnen, greift ein Zusammenschluss von zwölf führenden deutschen Chirurgen: Unter dem Namen „Vorsicht! Operation“, so berichtet das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“, wollen sie jetzt ein Internetportal eröffnen, auf dem jeder Patient vor einem chirurgischen Eingriff noch eine unabhängige Zweitmeinung einholen kann.

Wer seine Röntgenbilder, Laborbefunde und sonstige medizinische Daten einsendet und zur Diagnosestellung nötige Fragen beantwortet, bekommt innerhalb von zwei Wochen mitgeteilt, ob die kritischen Chirurgen die geplante Operation wirklich für sinnvoll halten.

Mit ihrer Aktion wollen die Portalgründer der erschreckend hohen Zahl operativer Eingriffe an Knie, Rücken, Schulter oder Hüfte entgegenwirken, die ihrer Meinung zufolge wenig nutzen, dafür aber umso mehr schaden können. „Ich kann nicht zusehen, wie da draußen Operationen gemacht werden, die dem Patienten nichts bringen, sondern nur dem Arzt nutzen“, sagte der Heidelberger Knie-Experte Hans Pässler, einer der Gründer des Portals, dem „Spiegel“.

Der bekannte Rückenexperte Jürgen Harms etwa beklagt, dass in Deutschland viel zu viele Bandscheibenoperationen durchgeführt würden. 40 bis 45 Prozent der Patienten könnten auch konservativ behandelt werden. „Ich habe zu viele Eingriffe gesehen, die in grandiosen Fehlschlägen endeten. Und dann sehe ich Leute, denen es nach einem Bandscheibenvorfall wieder gutgeht – ganz ohne Operation“, sagte er.

Gerade als erfahrene Ärzte seien sie gefordert, die Flut überflüssiger ärztlicher Maßnahmen einzudämmen, meint auch der Bochumer Chefarzt für Plastische Chirurgie, Ulrich Steinau: „Wir haben uns als Gruppe von Seniorchirurgen zusammengetan, von denen Patienten Seriosität und objektive Beurteilung erwarten dürfen.“

Wer über das neue Portal ein Gutachten bestellt, wird dafür, je nach Aufwand, 200 bis 600 Euro bezahlen müssen. Mindestens zwei Krankenkassen, die Deutsche Betriebskrankenkasse und die private Debeka mit zusammen rund drei Millionen Versicherten, haben bereits signalisiert, dass sie die Kosten für den Service erstatten werden.

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