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Prozess: Körperverletzung oder Notwehr?

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29.01.2012

Adrian Sutil Prozess: Körperverletzung oder Notwehr?

Ein Jahr Haft auf Bewährung gefordert – Kumpel Hamilton sagt nicht aus.

München – Deckenhohe Fenster, glamouröses Ambiente und protzige Kronleuchter: Die Nacht des 17. April 2011 in der Shanghaier Diskothek “M1NT” bleibt für Adrian Sutil nicht nur deshalb unvergesslich. Denn knapp neun Monate später muss der Formel-1-Pilot den Abend nochmals Revue passieren lassen. Auf der Anklagebank: Dem 29-Jährigen wird am Montag in München wegen “gefährlicher Körperverletzung” der Prozess gemacht.

Was war passiert? Bei einer Party in dem Edelklub nach dem Großen Preis von China hatte Sutil den Luxemburger Eric Lux, Mitbesitzer des Formel-1-Teams Lotus, nach einem Streit mit einem Glas am Hals verletzt. Sutil räumte zwar ein, den Geschäftsmann bei dem Versuch, ihm den Inhalt des Glases ins Gesicht zu schütten, getroffen zu haben. Laut Sutil sei es aber eine unglückliche und unabsichtliche Aktion gewesen. Die Staatsanwaltschaft sah das anders und forderte ein Jahr Haft auf Bewährung. Dem Strafbefehl stimmte Sutil nicht zu. Notwehr also?

Die Geschehnisse sollen nun vor dem Amtsgericht endgültig geklärt werden. Ein wichtiger Trumpf für Sutil soll dabei ein Videomitschnitt der Überwachungskamera aus dem Klub werden. Auf die zweite Trumpfkarte muss Sutil vorerst verzichten. McLaren-Pilot und Kumpel Lewis Hamilton ist unabkömmlich und wird erst einmal nicht wie eigentlich geplant aussagen, da am 1. Februar in der McLaren-Fabrik in Woking der neue Formel-1-Renner präsentiert wird. Ob und wann der Brite als Augenzeuge vor Gericht erscheinen muss, soll nach dem für zwei Tage angelegten Prozess entschieden werden.

Trotzdem geht Sutil gelassen in die für seine Zukunft so wichtige Verhandlung. “Wir wollten diese Verhandlung ja, weil wir davon ausgehen, dass Adrian Sutil nichts getan hat, was in die Richtung geht, dass er jemanden mit Absicht verletzt hat”, hatte Sutils Manager Manfred Zimmermann im dapd-Interview erklärt. Und deshalb ist sich Zimmermann auch sicher, dass der Gerichtstermin keinerlei Einfluss auf die sportliche Zukunft Sutils habe. Dies alles passiere völlig losgelöst davon, sagte Zimmermann.

Dass der Ärger um die Party-Nacht in Shanghai keine Auswirkungen auf die sportliche Zukunft Sutils haben soll, scheint allerdings unwahrscheinlich. Denn trotz seiner bislang besten Saison in der Formel 1 auf Platz neun der Fahrerwertung war bei Force India nach insgesamt fünf Saisons kein Platz mehr im Cockpit frei. Für Sutil fährt nun sein Landsmann Nico Hülkenberg. Zuletzt heuerte der Brasilianer Bruno Senna statt Sutil bei Williams an. Laut Zimmermann gebe es aber noch eine weitere Option für Sutil. Und die Verhandlungspartner hätten gleich auch signalisiert, dass das Thema durch sei, weil sich alle sicher seien, dass Sutil niemals jemanden angreifen würde.

Wer Sutil im Fahrerlager erlebt, kann sich das eigentlich auch schwer vorstellen. Sutil, als Kind begabter Pianist, ist kein Lautsprecher, wägt jedes Wort ab, das er sagt. Der Formel-1-Spätstarter, der erst im Alter von 14 Jahren zum Kartsport und zehn Jahre später den Weg in die Formel 1 fand, blieb auch ruhig, als seine Zukunft in der zweiten Jahreshälfte offener denn je war. Denn Force-India-Besitzer Vijay Mallya ließ Sutil ob der Vertragsverlängerung monatelang im Ungewissen. Trotz überzeugender Vorstellungen. Umso wichtiger ist der Prozess für Sutil, exakt eine Woche vor dem Beginn der Formel-1-Testfahrten für die neue Saison.

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