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Ackermann schaltet sich in Rettung ein

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02.02.2012

Griechenland Ackermann schaltet sich in Rettung ein

Verzicht der Gläubiger bei “etwa 70 Prozent plus X”.

Brüssel/Frankfurt – Die solventen Euroländer oder die Europäische Zentralbank (EZB) müssen weitere 15 Milliarden Euro zur Rettung Athens zuschießen. Das gelte, obwohl Banken und Fonds auf mehr als 70 Prozent ihrer Griechenland-Papiere verzichten wollen, verlautete am Donnerstag aus Brüsseler Beamtenkreisen. Der Verzicht des öffentlichen Sektors sei notwendig, damit die Schuldentragfähigkeit der Hellenen gesichert werde, hieß es aus der EU-Kommission. Mit dem Aufruf ist der Endspurt in den monatelangen Verhandlungen eingeleitet, mit einem Deal wird Anfang kommender Woche gerechnet.

Damit das Gesamtpaket verabschiedet werden kann, muss am Wochenende zunächst die Beteiligung des Privatsektors wasserdicht gemacht werden. In die Verhandlungen mit Athen will sich auch Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann einschalten.

Bei der Aufzeichnung eines TV-Interviews sagte er am Donnerstag in Frankfurt am Main, die Gläubiger seien zu einem Verzicht von “etwa 70 Prozent plus X” bereit. Die Zahl ergebe sich aus dem eigentlichen Schuldenschnitt auf bestehende Staatsanleihen und sehr niedrigen Zinsen für die Anschlussfinanzierung des Landes. “Der Ball liegt jetzt im Spielfeld der griechischen Regierung”, sagte Ackermann, der auch der internationalen Bankenvereinigung IIF vorsteht.

“Ich denke, das ist ein teures Angebot von den Investoren, aber es ist weniger teuer, als eine Pleite wäre”, sagte Ackermann. Die Ansteckungsgefahr, die von Griechenland auf andere Länder ausgehe, müsse gebannt werden. “Es hängt eigentlich gar nicht mehr so sehr an den privaten Investoren”, sagte Ackermann. “Die Frage ist, ob auch andere Beteiligte noch ihren Beitrag leisten würden.”

Damit spielte Ackermann auf den Beitrag öffentlicher Kreditgeber Griechenlands an. Dazu gehören neben Deutschland und den anderen solventen Euroländern der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EZB. Die EZB wird inzwischen als größte Gläubigerin Griechenlands gehandelt – Experten schätzen ihr Engagement auf bis zu 55 Milliarden Euro.

Bislang ist die Zentralbank nicht bereit, auf Forderungen zu verzichten. Die Währungshüter schließen dies hinter vorgehaltener Hand aber nicht mehr rundweg aus. Zuerst müsse jedoch der Verzicht der privaten Banken abgeschlossen werden. Ein diskutiertes Modell ist, dass die EZB ihre Anleihen zum Marktpreis an die Griechen zurückgibt und damit einen deutlichen Abschlag gegenüber dem Kaufpreis hinnimmt. Den Verlust müsste letztlich der europäische Steuerzahler verkraften.

Die Euroländer hatten Athen schon im Oktober ein zweites Rettungspaket von 130 Milliarden Euro zugesagt. Seit drei Wochen ist die Troika aus Experten von EU-Kommission, EZB und IWF in Athen, um die tatsächliche Finanzlücke zu ermitteln. Brüssel und Berlin forderten von der griechischen Regierung selbst weitere Sparanstrengungen, um das Loch zu schließen.

Nach Ansicht der EU-Kommission ist die Grenze allerdings ausgereizt. Sollten die Euroländer oder die EZB den Fehlbetrag nicht zuschießen, könnten sich auch öffentliche Banken wie die französische Caisse de Depots an dem Schuldenverzicht der Privatgläubiger beteiligen, sagte ein Beamter.

Ackermann sagte, er selbst wolle möglicherweise am Wochenende nach Athen fliegen. Eigentlich war geplant, dass er am Samstag an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnimmt. Doch die Zeit rennt davon. Der für die Risikovorsorge der Deutschen Bank zuständige Vorstand Hugo Bänziger sagte, es gebe kaum eine andere Möglichkeit, als sich jetzt zu einigen.

In den vergangenen eineinhalb Jahren sei zu viel politisches Kapital in Europa zerschlagen worden, sagte Bänzinger. Er rechnete vor, dass die Schulden der Euro-Staaten sich insgesamt auf rund elf Billionen Euro beliefen. Davon liege grob die Hälfte bei Investoren, die von außerhalb des Euroraums investiert hätten. Wenn diese Käufer streikten oder fernblieben, weil sie dem Euro nicht mehr vertrauten, genüge das, um das System langfristig zu stören.

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