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Abschied von getötetem Baby

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16.02.2012

Potsdam Abschied von getötetem Baby

In Potsdam gefundenes Mädchen beigesetzt.

Potsdam – Im Beisein von über 100 Trauernden ist am Donnerstag das in Potsdam tot aufgefundene Baby beigesetzt worden. Bei dem Gottesdienst in der voll besetzten Bornstedter Kirche sprach Pfarrer Friedhelm Wizisla von einer “Stunde des Entsetzens und der Trauer”. Es sei schrecklich, dass ein Menschenleben durch ein Verbrechen zerstört wurde.

Das tote Mädchen war einen Tag vor Weihnachten in einem Garagenkomplex in Potsdam gefunden worden. Den Ermittlungen zufolge war es in der Nacht zuvor lebend geboren und dann getötet worden. Von der Mutter fehlt noch immer jede Spur.

Es sei kaum vorstellbar, dass die Mutter kein einziges Hilfsangebot wahrgenommen und nicht den Mut aufgebracht hat, um Hilfe zu schreien, sagte Wizisla. “In welcher Lage muss die verzweifelte Mutter gewesen sein?”, fragte er. “Hatte sie keine Angehörigen, keine Familie, keine Freunde?” Er bete für die Unbekannte, dass sie die Tragweite ihres Tuns erkennen und sich selbst eines Tages vergeben könne.

In Potsdam gebe es viele Hilfsstrukturen, wie etwa die Babyklappe am St. Josefs-Krankenhaus, sagte die Sozialbeigeordnete der Stadt, Elona Müller-Preinesberger. Der Fall habe aber auf brutale Art und Weise gezeigt, dass diese trotzdem nicht immer helfen könnten. Sie rief dazu auf, den Tod des Neugeborenen als Mahnung zu nehmen, noch aufmerksamer und sensibler für Hilferufe von Mitmenschen zu sein. Während der Trauerfeier stand auf einem Podest der winzige weiße Sarg des Mädchens, geschmückt mit weißen Rosen und umringt von Kerzen.

Nur zwei Tage vor der Trauerfeier war ein weiterer Fall von Kindstötung in Brandenburg bekannt geworden. Eine 28-Jährige aus Hohen Neuendorf bei Berlin soll ihr Neugeborenes ermordet haben. Die Mutter von zwei fünf und neun Jahre alten Kindern hatte eingeräumt, das Baby in einer Plastiktüte auf dem Grundstücke ihrer Eltern versteckt zu haben.

Experten zufolge ist Kindstötung in Deutschland häufig eine Folge verdrängter Schwangerschaften. Viele der betroffenen Frauen versteckten diese vor ihrer Umwelt bis kurz vor der Entbindung und bauten während der Schwangerschaft kaum eine Beziehung zu ihrem Kind auf, sagte der Psychologe und Psychotherapeut, Uwe Wetter, der Nachrichtenagentur dapd.

Die Zahl der Fälle, bei denen Kinder unter sechs Jahren von ihren Eltern getötet wurden, ist aber bundesweit rückläufig. Sie habe 2010 den bislang niedrigsten Stand von 54 erreicht, sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer. Babys in Ostdeutschland sind dabei stärker gefährdet, von ihren Eltern getötet zu werden als westdeutsche. In ostdeutschen Bundesländern sei das statistische Risiko bezogen auf die Bevölkerungsstruktur und die Zahl der bisherigen Kindstötungen fast doppelt so hoch, sagte Pfeiffer.

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