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ThyssenKrupp trennt sich vom Edelstahl

© dapd

31.01.2012

Abschied nach 100 Jahren ThyssenKrupp trennt sich vom Edelstahl

Stahlkonzern erzielt grundsätzliche Einigung über den Verkauf der Tochter Inoxum.

Essen – Vor 100 Jahren erfand Krupp den rostfreien Stahl. Jetzt zieht sich der Nachfolgekonzern ThyssenKrupp aus der Produktion von Edelstahl zurück. Der Essener Traditionskonzern verkauft seine zuletzt tiefrote Zahlen schreibende Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Wettbewerber Outokumpu. Der Wert der Konzerntochter wird mit rund 2,7 Milliarden Euro beziffert.

Beide Unternehmen bestätigten am Dienstag eine grundsätzliche Einigung über die Zusammenführung von Outokumpu und Inoxum. Im Zuge der Fusion sollen rund 850 Arbeitsplätze der rund 5.500 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen werden. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber nicht geben. Darauf verständigen sich die Unternehmen mit der IG Metall und den Arbeitnehmervertretern. Thyssen Krupp werde rund 600 Inoxum-Beschäftigten alternative Stellen anbieten, berichtete Outokumpu.

Durch den Zusammenschluss von Inoxum und Outokumpu entsteht ein neuer Weltmarktführer im Edelstahlbereich mit 18.000 Beschäftigten und mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz. Für ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger ist der Verkauf des Sorgenkindes ein wichtiger Durchbruch bei seinen Bemühungen, den Schuldenberg des Essener Konzerns abzubauen und das Unternehmen weniger abhängig vom konjunkturanfälligen Stahlgeschäft zu machen.

Outokumpu zahlt für die Übernahme nach eigenen Angaben eine Milliarde Euro in bar. Außerdem erhält ThyssenKrupp eine Beteiligung von 29,2 Prozent an dem neuen Edelstahl-Marktführer. Die Finnen übernehmen darüber hinaus Schulden von Inoxum in dreistelliger Millionenhöhe. Outokumpo erwartet durch den Zusammenschluss spätestens ab 2017 Einsparungen in Höhe von mindestens 225 Millionen Euro jährlich.

In “äußerst schwierigen Verhandlungen” mit Outokumpu und ThyssenKrupp sei es gelungen, weitreichende Standort- und Beschäftigungsgarantien zu erreichen, berichtete die IG Metall. Betriebsbedingte Kündigungen sind demnach in der Edelstahlsparte bis Ende 2015 ausgeschlossen. Doch musste die Gewerkschaft auch Zugeständnisse machen. So soll das Stahlwerk in Krefeld Ende 2013 geschlossen werden. Die zweite Flüssigphase in Bochum soll dagegen mindestens bis Ende 2016 weiter betrieben werden.

Der Verkauf bedarf allerdings noch der Zustimmung der Aufsichtsräte und der zuständigen Regulierungsbehörden. Die Unternehmen zeigten sich jedoch zuversichtlich, dass die Wettbewerbsbehörden grünes Licht für den Zusammenschluss geben werden. Es habe hier bereits Sondierungsgespräche gegeben, hieß es in Unternehmenskreisen. Die Notwendigkeit einer Konsolidierung auf dem Edelstahlmarkt sei inzwischen unbestritten.

Die Geschichte der ThyssenKrupp-Edelstahlsparte begann vor knapp 100 Jahren. Am 17. Oktober 1912 meldete der Krupp-Konzern beim Reichspatentamt in Berlin die “Herstellung von Gegenständen, die hohe Widerstandskraft gegen Korrosion erfordern …” zum Patent an. Unter dem Markennamen Nirosta – ein Kunstwort für NIcht ROstenden STAhl – begann die Erfindung danach ihren Siegeszug um die Welt.

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