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01.01.2010

A400M Airbus setzt Regierungen unter Druck

Toulouse – Die weitere Entwicklung des militärischen Transportflugzeuges A400M steht wegen Unterfinanzierung auf der Kippe. Airbus braucht offenbar rund 5,3 Milliarden Euro mehr als die 2003 für die Lieferung von 180 Flugzeugen vereinbarten 20 Milliarden Euro. Nach dem erfolgreichen Erstflug vor wenigen Wochen macht Airbus jetzt nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstagausgabe) Druck auf die Regierungen der sieben Nato-Staaten, die Flugzeuge bestellt haben, die weitere Finanzierung sicher zu stellen. Ein sogenanntes Stillhalte-Abkommen zwischen Airbus und den Besteller-Nationen ist Silvester ausgelaufen. Dieses hat EADS-Chef Louis Gallois nach Informationen der WELT aus unternehmensnahen Kreisen zwar im letzten Moment gegen den ausdrücklichen Willen des Airbus-Managements verlängert. Angeblich unterstützt Gallois aber gleichzeitig Airbus-Chef Thomas Enders, der jetzt auf eine schnelle Klärung drängt. Der Airbus-Chef trifft gleichzeitig bereits erste Vorbereitungen zur Beendigung und Abwicklung des Programms. „Stillstand hatten wir lange genug. Jetzt ist Zeit für Bewegung, so oder so“, sagte Enders der WELT.

Das A400M-Programm werde voraussichtlich keinen Gewinn abwerfen. „Ich kann es als Airbuschef deshalb nicht verantworten, mit so einem Rüstungsprogramm das ganze Unternehmen und damit auch die zivilen Programme zu gefährden“, sagt der Airbus-Chef. Enders‘ Vorstoß bringt auch die Bundesregierung unter Druck, die mit 60 Flugzeugen der bislang größte Besteller ist. Der Airbus-Chef will gleich zu Beginn des Jahres die Gespräche aufnehmen und sie bis Ende Januar mit einer neuen Finanzierungszusage abschließen. Dem Topmanagement bei Airbus ist durchaus bewusst, dass dies angesichts der politischen Diskussion in Deutschland über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ein sehr ambitionierter Zeitplan ist. Enders hatte aber bereits am Rande des Erstflugs gesagt, sein Unternehmen brauche zwar eine stabile finanzielle Basis für die A400M. Airbus werde dazu aber auch seinen Beitrag leisten, „aber wir brauchen auch ein klares Wort der Regierungen zu ihrem Anteil. Ohne dies geht es nicht“, sagte er.

Aus diesem Grund bieten die Flugzeugbauer an, auch eine „Tranchenlösung“ zu akzeptieren, anstatt direkt die Preise um 25 Prozent zu erhöhen. So könnten die Regierungen das vereinbarte Budget belassen, die Zahl der auszuliefernden Flugzeuge aber reduzieren. Gleichzeitig sollen die Regierungen aber verbindlich zusichern, die übrigen Flugzeuge später zu bestellen. Das würde die weitere Finanzierung des A400M-Programms erleichtern und verbilligen. Das militärische Transportflugzeug war auch deswegen so teuer geworden, weil die Besteller-Regierungen bei Vertragsabschluß festgelegt hatten, dass die wesentlichen Teile für das neue Flugzeug in Europa hergestellt werden müssen. So sollte Technologie-Wissen aufgebaut und Arbeitsplätze in der High-Tech-Industrie geschaffen werden. So hätte Airbus durchaus die Motoren bei amerikanischen Herstellern eingekauft, anstatt den Entwicklungsauftrag in Europa zu vergeben. Dies hatte angeblich wesentlich zu den höheren Kosten und der Lieferverzögerung wesentlich beigetragen.

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