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74 Tote bei Fan-Ausschreitungen in Ägypten

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01.02.2012

Ägypten 74 Tote bei Fan-Ausschreitungen in Ägypten

248 Verletzte bei Fußball-Spiel in Port Said – “Krieg, der geplant war”.

Kairo – Bei den schwersten Ausschreitungen in einem Fußball-Stadion seit mehr als 15 Jahren sind am Mittwochabend in der ägyptischen Stadt Port Said mindestens 74 Menschen ums Leben gekommen. Zudem wurden 248 Menschen verletzt. Die Zahl konkretisierte das Innenministerium kurz vor Mitternacht.

Bereits während des Spiels hatten Fans des Gästeteams mit provozierenden Plakaten die heimischen Zuschauer gegen sich aufgebracht. Die Zusammenstöße begannen, nachdem Fans von Al-Masri nach dem 3:1-Sieg gegen den Tabellenführer und Erzrivalen der ägyptischen Premier League Al-Ahli Sekunden nach dem Abpfiff das Spielfeld gestürmt hatten. Die Fans hätten Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen geworfen. Unter den Toten sollen auch mehrere Sicherheitskräfte sein. Einige Spieler wurden den Angaben zufolge verletzt, obwohl die Mannschaften schnell in die Kabinen in Sicherheit gebracht wurden.

“Das ist Krieg, der geplant war”, wird der Mannschaftsarzt von Al-Ahli auf der Internetseite “Egypt Independent” zitiert. Der Mediziner sprach von Chaos und forderte eine umgehende Untersuchung. “Das war eine Terror-Athmosphäre”, sagte Sayed Hamdi, ein Spieler von Al-Ahly. Teamkollege Mohammed Abu Trika erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die laut seiner Aussage tatenlos zusah und keine Anstrengungen unternahm, die Krawalle zu unterbinden.

Die meisten Menschen starben an schweren Kopfverletzungen und Erstickungen, erklärte Hesham Sheiha, ein Vertreter des ägyptischen Gesundheitsministeriums. Unter den Toten ist auch ein Polizist. Nur 47 Personen sollen im Zuge der Gewaltausschreitungen am Abend festgenommen worden sein.

Wegen der dramatischen Ausschreitungen in Port Said sind mittlerweile bis auf weiteres alle Fußballspiele in Ägypten abgesagt. Der Staatsanwalt ordnete sofortige Ermittlungen an. Zudem wird sich das Parlament am Donnerstag auf einer Sondersitzung mit den Krawallen befassen.

Im staatlichen Fernsehen wurde bereits an die Bevölkerung appelliert, Blut für die Verletzten zu spenden. Das Militär schickte unterdessen zwei Flugzeuge nach Port Said, um die schweren Fälle in die Hauptstadt nach Kairo auszufliegen.

Bei den Vorfällen handelt es sich um die schlimmste Tragödie seit dem 16. Oktober 1996. Damals kamen bei einem WM-Qualifikationsspiel in Guatemala zwischen Guatemala und Costa Rica bei Krawallen 78 Menschen ums Leben.

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