Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Panorama - newsburger.de

Tschernobyl Reaktor 4

© Carl Montgomery - Flickr / CC BY 2.0

14.04.2016

30 Jahre Tschernobyl Greenpeace zeigt aktuellen Statusbericht zum havarierten Reaktor

Kein Ende in Sicht.

Hamburg – 30 Jahre nach Beginn der bisher größten Atomkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl geht von dem havarierten Reaktor noch immer eine Gefahr für die Bevölkerung aus. Die Bewältigung der desaströsen Folgen steht weiter ganz am Anfang. Rund fünf Millionen Menschen müssen in den betroffenen Gebieten der Ukraine, Weißrusslands und Russlands auf radioaktiv verseuchtem Boden leben. Diese Schlüsse zieht ein aktueller Statusreport der Physikerin Oda Becker im Auftrag von Greenpeace.

„Die gewaltigen Mengen Atommüll aus dem Tschernobyl-Reaktor zu bergen, wird eine zweistellige Milliardensumme kosten. Die Bundesregierung und ihre G7-Partner müssen die wirtschaftlich schwache Ukraine auch weiterhin bei der Bewältigung der Katastrophe unterstützen“, sagt Tobias Münchmeyer, Atom-Experte von Greenpeace. „Diese Sisyphos-Arbeit muss geleistet werden, obwohl nicht absehbar ist, ob sie jemals gelingt.“

Am 26. April 1986 explodierte nach einem Bedienfehler Reaktor Nr. 4 des AKW Tschernobyl. Die enorme radioaktive Freisetzung verseuchte weite Teile Europas. Tausende Menschen starben vor Ort und in den verstrahlten Gebieten. Der neue „Sarkophag“ der Atomruine, der dreimal so groß ist wie die Hamburger Bahnhofshalle, wird frühestens Ende 2017 fertiggestellt und soll über die bisherige Schutzhülle geschoben werden. Die Kosten für den so genannten Shelter Implementation Plan (SIP) haben sich inzwischen vervielfacht und liegen bei rund 2,15 Milliarden Euro. Das Projekt hat sich um zwölf Jahre verzögert.

440.000 Kubikmeter langlebiger Atomabfälle liegen unter dem alten „Sarkophag“. Das entspricht dem fünfzehnfachen Volumen aller hochradioaktiven Abfälle deutscher Atomkraftwerke. Für die Bergung fehlen nicht nur die technischen Konzepte – unklar ist auch, wer die enormen Kosten für diese Arbeiten übernehmen soll. Experten der ukrainischen Regierung gehen dabei von mehreren zehn Milliarden Dollar aus. Anlagen für die Behandlung und Lagerung der unfallbedingten radioaktiven Stoffe stehen weiter aus.

Inzwischen wird sogar deutlich, dass an einer langfristigen Lösung fast gar nicht gearbeitet wird. Selbst das Pilotprojekt für einen Test zur Bergung der radioaktiven Materialien wurde eingestellt. Zu befürchten ist, dass die Ukraine nach Abschluss des SIP mit diesem Problem mehr oder weniger alleine dasteht. Von einer Überführung in ein ökologisch sicheres System ist der havarierte Reaktor nach wie vor weit entfernt.

Heute (und für viele Jahrhunderte) gibt es in der hoch kontaminierten „Verbotenen Zone“ viele offene Quellen für die Ausbreitung der Radionuklide. Die Auswirkungen der permanent erhöhten Radioaktivität auf das Ökosystem sind nicht ausreichend geklärt. Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 sind nach atomaren Katastrophen die Langzeitschäden der betroffenen Ökosysteme größer als angenommen. Selbst geringe Strahlendosen können Pflanzen und Tiere schädigen. Die Ukraine versucht dessen ungeachtet, aus dem Unfall Gewinne zu schlagen, indem sie die „Verbotene Zone“ touristisch erschließt.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/30-jahre-tschernobyl-greenpeace-legt-aktuellen-statusbericht-zum-havarierten-reaktor-vor-93586.html

Weitere Nachrichten

Bundespolizei im Bahnhof

© über dts Nachrichtenagentur

Bericht 100.000 Straftaten in Zügen, Bahnhöfen und an Bahnanlagen

Die Bundespolizei hat im vergangenen Jahr mehr als 100.000 Straftaten in Zügen, in Bahnhöfen und an Bahnanlagen registriert. Das geht aus der Antwort der ...

Fahnen von EU und Großbritannien

© über dts Nachrichtenagentur

Thriller-Autor Harris Brexit hat politische Stimmung vergiftet

Das Brexit-Referendum hat nach Ansicht des britischen Bestsellerautors Robert Harris ("Vaterland", "Angst", "Dictator") die politische Stimmung in ...

Polizeiwagen

© über dts Nachrichtenagentur

Bayern 18-jähriger Asylbewerber stirbt nach Fenstersturz

In Roding im ostbayerischen Landkreis Cham ist am Freitagabend ein 18-jähriger somalischer Asylbewerber nach einem Fenstersturz in einer Asylunterkunft ums ...

Weitere Schlagzeilen