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"Quellen des Lebens" 3 Jahrzehnte Bundesrepublik im Schnelldurchlauf

Roehler erzählt ein autobiografisch gefärbtes Gesellschaftsdrama.

Berlin – Schon einmal hat sich der Filmemacher und Autor Oskar Roehler an seiner Familiengeschichte abgearbeitet. In „Die Unberührbare“ zeichnete er das wenig schmeichelhafte und kaum verschlüsselte Porträt seiner Mutter, der salonkommunistischen Schriftstellerin Gisela Elsner, für die mit dem Fall der Mauer auch die Utopie einer besseren Welt zusammenbrach. Auch in seinem neuen Film „Quellen des Lebens“, parallel entstanden zu seinem autobiografischen Roman „Herkunft“, hat die nach Luxusgütern und Zigaretten süchtige Exzentrikerin mit der markanten Helmfrisur ihren Auftritt.

Nun allerdings in Gestalt von Lavinia Wilson, die Gisela Ellers alias Gisela Elsner zu Beginn ihrer Schriftstellerkarriere spielt: Eine junge Frau, die sich nach literarischem Erfolg und einem Leben in der Boheme sehnt, um sich in der Beziehung zu ihrem ebenfalls schreibenden Lebensgefährten Klaus (Moritz Bleibtreu) abarbeitet.

Roehlers „Quellen des Lebens“ ist allerdings weit mehr als nur ein Gegenstück zu „Die Unberührbare“. Für sein zweieinhalbstündiges Familienepos holt er weit aus und führt den Zuschauer zunächst zurück ins Jahr 1949, in dem Erich Freytag (Jürgen Vogel), der Großvater des Ich-Erzählers, aus der Kriegsgefangenschaft in seine fränkische Heimat zurückkehrt und seine Ehefrau Elisabeth (Meret Becker) mit seiner Schwester (Sonja Kirchberger) im Bett vorfindet. Der gebrochene Mann mit einem aus Stahl gefertigten Zahnersatz bleibt stoisch und nach außen hin stark. Mit seiner prosperierenden Gartenzwerg-Fabrik schafft er in den Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders den Aufstieg in die bürgerliche Mitte.

Sein Sohn Klaus allerdings will raus aus dieser spießigen Kleinbürgerwelt. Für ihn wie auch für seine vergnügungssüchtige Ehefrau Gisela ist der gemeinsame Sohn nur störender Ballast und wird deshalb bei den Großeltern geparkt. Im nächsten Kapitel ist aus dem Baby auch schon ein pubertierender Junge geworden, der in der Hippie-Bewegung eine Form der Rebellion gegen das Spießertum seiner Familie gefunden hat.

Roehler hatte unverkennbar etwas Monumentales im Sinn: ein autobiografisch gefärbter Schnelldurchlauf durch drei Jahrzehnte bundesrepublikanische Geschichte und zugleich ein über drei Generationen sich erstreckendes Familiendrama. Doch Roehler findet keinen überzeugenden eigenen Ton für diese Tour de Force, sondern liefert über Strecken lediglich beschauliche Fernsehdramaturgie. Er hangelt sich an klischeehaften zeitgeschichtlichen Motiven von VW Käfer bis Willy-Brandt-Wahlwerbespots entlang und versucht mit satirisch zugespitzten Szenen diese inszenatorische Biederkeit zugleich zu konterkarieren. Das ist über weite Strecken unterhaltsam, aber in der Fülle zu disparat und beliebig, als dass sich die einzelnen Figuren und ihre Schicksale tatsächlich entfalten könnten.

(„Quellen des Lebens“, Drama, Deutschland 2013, 174 Minuten, FSK: 12, Verleih: X Verleih, Regie: Oskar Roehler; Darsteller: Jürgen Vogel, Meret Becker, Moritz Bleibtreu, Lavinia Wilson u. a.)

Kinostart: 14. Februar 2013

09.02.2013 © dapd / newsburger.de

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