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220 Tote bei Regierungsoffensive in Homs

© AP, dapd

04.02.2012

Syrien 220 Tote bei Regierungsoffensive in Homs

Aktivisten: “Schwerster Angriff seit Beginn des Aufstandes”.

Beirut – Syrische Sicherheitskräfte haben nach Angaben von Aktivisten kurz vor einer möglicherweise entscheidenden Sitzung im UN-Sicherheitsrat über eine Syrien-Resolution in der Stadt Homs ein Blutbad angerichtet und mehr als 220 Menschen getötet.

Zwei regierungskritische Organisationen, das Syrische Observatorium für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees, meldeten einen Angriff mit Panzern in der Nacht zum Samstag auf die Stadt. Die Regierung in Damaskus dementierte dies.

“Homs steht in Flammen”, sagte ein Aktivist der Opposition, der sich in der Nähe der Stadt aufhielt. “Alle Seiten greifen sich gegenseitig an und die Zahl der Opfer ist höher, als man zählen kann.” Mit schwerem Beschuss habe der Angriff begonnen, berichteten Aktivisten, deren Angaben nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden konnten. Allein im Viertel Chaldijeh, das seit elf Monaten einer der Brennpunkte der Protestbewegung gegen Präsident Baschar Assad ist, habe es an die 140 Tote gegeben, hieß es. Der Beschuss habe die ganze Nacht angedauert, sagte ein Einwohner. “Es gab keinen Anlass, nicht einmal Proteste. Die Menschen haben blanke Angst”, sagte er weiter.

“Das ist der schlimmste Angriff seit Beginn des Aufstandes im März”, sagte der Leiter des Syrischen Observatoriums, Rami Abdul-Rahman. Den Koordinationkomitees zufolge setzten die Regierungstruppen Panzer und schwere Maschinengewehre ein. Ein Bewohner des Bezirks Bab Tadmur in Homs, Ammar, sagte, die wahre Zahl der Toten liege bei mehr als 330, hunderte weitere Menschen seien verletzt worden. “Wir werden massakriert, worauf wartet der Sicherheitsrat noch?”

Im syrischen Fernsehen hieß es dagegen, diese Berichten seien unwahr und teil einer “hysterischen Kampagne”. Sie stünden im Zusammenhang mit einer “Aufwiegelung von bewaffneten Gruppen” gegen Syrien, die im Sicherheitsrat ausgenutzt werden solle. In Amateurvideos gezeigte Leichen – von Aktivisten als Opfer des Angriffs bezeichnet – seien Menschen, die von “terroristischen bewaffneten Gruppen” entführt worden seien.

Unklar war, was den Angriff auslöste. Es gibt aber Berichte, dass Deserteure Kontrollposten in dem Gebiet errichtet haben und versuchen, ihre Macht dort zu konsolidieren. Assad versucht seit Monaten, die Protestbewegung niederzuschlagen. Mehrere Tausend Menschen sollen bei den Zusammenstößen bisher getötet worden sein. Am Samstag wurden bei einem Angriff von Sicherheitskräften auf einen Trauerzug in einem Vorort von Damaskus nach Angaben von Aktivisten sieben Menschen erschossen.

Die Örtlichen Koordinationskomitees riefen die Bewohner von Homs und der Bewegung zu Blutspenden auf. Außerdem sollten die Menschen Flüchtlinge aus der Stadt bei sich aufnehmen. Demonstranten in der ganzen Welt wurden aufgefordert, vor den syrischen Botschaften zu protestieren.

In Kuwait stürmten Demonstranten die syrische Botschaft und hissten die Fahne der Opposition. Augenzeugen erklärten, bei der Erstürmung am Samstag seien Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Es sei aber niemand ernsthaft verletzt worden. In London drangen am frühen Morgen mehrere Menschen in die syrische Botschaft ein. Die Polizei nahm sechs Personen fest. Ähnliche Proteste gab es auch in Kairo, wo ein Teil der Botschaft in Brand gesteckt wurde, sowie in Berlin und Athen.

Tunesien will als Reaktion auf den blutigen Einsatz der syrischen Streitkräfte in Homs den syrischen Botschafter ausweisen. Aus Kreisen des Präsidentenbüros in Tunis verlautete am Samstag, Tunesien erkenne das Regime Assads nicht länger an.

Der UN-Sicherheitsrat wollte am Samstag seine Verhandlungen über eine Resolution zum Konflikt in Syrien fortsetzen. Dabei solle eine Abstimmung über eine Resolution vorbereitet werden, die wegen der russischen Vetodrohung bisher vermieden worden sei, verlautete am Freitag aus Diplomatenkreisen in New York.

Russland hat nach den Worten von Außenminister Sergej Lawrow noch immer gravierende Probleme mit dem vorliegenden Resolutionsentwurf. Dieser fordere zu wenig von den bewaffneten Gegnern des Regimes von Präsident Assad, sagte Lawrow am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Darüber hinaus sei Moskau besorgt, dass darin der Ausgang eines nationalen Dialogs der politischen Kräfte in Syrien vorweggenommen werde. Lawrow traf später in München mit US-Außenministerin Hillary Clinton zusammen.

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